Schnörkellos zur Sprache bringen, was Sache war

Kultur / 22.05.2015 • 18:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Erfolgsautor Jérôme Ferrari.   Foto: Verlag Secession  
Erfolgsautor Jérôme Ferrari.
Foto: Verlag Secession  

Jérôme Ferrari verfolgt ein ehrgeiziges Projekt für ein Buch von gerade einmal 130 Seiten.

Roman. (pen) Wenn auch dieser verwegene Blick im wirklichen Leben derjenige eines jungen Wissenschaftlers war. Werner Heisenberg, der große Physiker (1901–1976), der vor lauter Schauen nicht bemerkt hat, wie er sich in die Machenschaften der Nazis verstrickte. Der französische Erfolgsautor Jérôme Ferrari widmet sein jüngstes Opus dem „Prinzip“, so der Titel des Buches, dem politischen und persönlichen Tribut, den Heisenberg für seine im Nobelpreis gipfelnde Karriere bezahlt hat. Zwischen Abenden mit Beethoven-Klaviertrios und dem Bau der Atombombe in Nazi-Deutschland sitzt der Physiker zwischen allen Stühlen.

Flüchtig ahnt er die Existenz von Dingen, von denen man besser nichts weiß: Nicht nur von Dingen des Krieges, auch von dem, was zu erfahren ist beim Blick über Gottes Schulter; Dinge, die der Leutnant Ernst Jünger in den Weltkriegs-Stahlgewittern gesehen hat, nicht immer zu seinem Vorteil und ganz gewiss nicht, was man ihm auch böswillig unterstellen mag, zu seinem Vergnügen! Genau so mag es auch Heisenberg ergangen sein. Nordlichter von vollkommener Schönheit stehen gegen das Grauen des Krieges. Natürlich will Heisenberg nicht unter Nazis leben. Aber wo denn sonst? Er bleibt und leidet.

Jérôme Ferrari schreibt einen Roman in Brief- und Dialogform, der direkt ans Prinzip rührt, der schnörkellos zur Sprache bringt, was Sache ist bzw. war. Wie das Persönliche in der Auseinandersetzung mit der Weltgeschichte unter die Räder kommt, woran sich der Einzelne festzuhalten versucht, wenn die Welt in Trümmern liegt.

   
   

Jérôme Ferrari: „Das Prinzip“, Roman, Secession Verlag, 130 Seiten