„Steuer hängt vom Wohnrecht ab“

Markt / 22.05.2015 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Notar Dr. Richard Forster beantwortete die Fragen.
Notar Dr. Richard Forster beantwortete die Fragen.

Notar Richard Forster beantwortete viele Fragen zum Thema Grunderwerbsteuer.

Schwarzach. (VN-reh) Sehr viele VN-Leser nutzten auch diesmal die Möglichkeit, sich von Notar Dr. Richard Forster ihre Fragen zum Thema Grunderwerbsteuer neu, die am 1.1.2016 in Kraft tritt, beantworten zu lassen. Hier ein Auszug:

Ich will an meine Kinder ein Haus übergeben, aber das Wohnrecht behalten. Wird das 2016 teurer?

Forster: Es gibt zwar bei Vermögensteilen bis 250.000 Euro den Steuersatz von 0,5 Prozent. Aber nur bei unentgeltlichen Vorgängen. Wenn ein Wohnrecht eingeräumt wird, ist es nicht mehr unentgeltlich. Der Landeshauptmann will sich zwar dafür einsetzen, man kann aber davon ausgehen, dass diese Schenkungen in vielen Fällen teurer werden.

Ich möchte mein Grundstück auf mehrere Kinder aufteilen, ohne ein Wohnrecht einzubehalten. Was ist da sinnvoll?

Forster: Die Steuer verringert sich, je mehr Eigentümer eine Immobilie hat oder je mehr Erben es gibt. Und ohne Wohnrecht wird eine Schenkung 2016 nicht erheblich teurer.

Ich habe ein Haus mit Grundstück. Geplant ist, dass ein Kind die Hälfte des Grundstückes bekommt, das andere Kind auf das bestehende Haus anbaut und wir als Eltern das Wohnrecht behalten. Wie sollen wir vorgehen?

Forster: Bei der Schenkung des Grundstücks fällt das weniger ins Gewicht, aber beim Haus wird es durch das Wohnrecht ab 2016 erheblich teurer.

Wie ist es bei landwirtschaftlichen Grundstücken?

Forster: Hier ändert sich 2016 gar nichts, es bleibt beim einfachen Einheitswert.

Ich möchte meiner Frau die Hälfte meines Hauses schenken. Es hat eine Fläche von
130 Quadratmetern.

Forster: Bei 130 m2 macht der Zeitpunkt gar keinen Unterschied, denn bis zu 150 m2 ist die Schenkung steuerfrei. Wenn die Quadratmeterzahl darüber hinausgeht, muss man eine Einzelfallberechnung machen. Da könnte es 2016 sogar billiger werden. Aber Achtung: Auch die Grundstücksfläche spielt eine Rolle.

Ich bin 53 Jahre alt. Soll ich meine Wohnung auf meinen Sohn übertragen?

Forster: Im nächsten Jahr wird es nur teurer, wenn sie ein Wohnrecht behalten.

Ich habe zwei Kinder und zwei Grundstücke in zwei verschiedenen Orten. Ich möchte von jedem Grundstück die Hälfte jeweils einem Kind geben, damit sie später tauschen können.

Forster: Bei einem Grundstück kein Problem, aber beim zweiten Grundstück und einem Tausch über die Gemeindegrenze ist das eine steuerliche Katastrophe. Hier können Kosten von bis zu 70.000 Euro entstehen. Denn beim Tausch zahlt man nicht nur Grunderwerbsteuer, sondern auch Immobilien­ertragsteuer. Steuerfrei wäre der Tausch nur, wenn die Grundstücke unter demselben Einheitswert geführt würden, das kommt aber fast nur vor, wenn sie nebeneinander liegen und dieselbe Widmung haben.

Ich möchte ein Grundstück kaufen. Hat die Steuerreform hier auch Auswirkungen?

Forster: Für Sie als Käufer nicht, allerdings für den Verkäufer. Denn die Immobilienertragssteuer steigt von 25 auf 30 Prozent. Zudem wird der Inflationsabschlag gestrichen.

Ich möchte eine Wohnung kaufen und sie meiner Schwester übertragen. Ich möchte aber ein Fruchtgenussrecht behalten (Anm.: das Recht, diese Wohnung entweder selbst zu nutzen oder zu vermieten).

Forster: Hier wäre es günstiger, wenn Sie Ihrer Schwester das Geld geben und sie die Wohnung kauft. Das Geld zu schenken ist steuerfrei, ihre Schwester zahlt beim Kauf 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer. Für das Fruchtgenussrecht sind 2 Prozent Rechtsgeschäftsgebühr fällig. In Summe ist das günstiger.