Tägliche Gewissensbisse

Markt / 22.05.2015 • 11:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Arbeit und Familie zu vereinbaren bereitet vielen Erziehungsberechtigten Probleme.
Arbeit und Familie zu vereinbaren bereitet vielen Erziehungsberechtigten Probleme.

Mütter und Väter kämpfen mit Gewissensbissen, wenn es um Beruf und Familie geht.

UMFRAGE. (dh) Zeit mit den Kindern verbringen, erfolgreich im Beruf durchstarten und auch dem Partner, Freunden und Hobbys Raum geben. Viele Eltern scheitern bei dem Versuch, alle Ansprüche zu erfüllen. Das zeigt auch eine Umfrage des Online-Lernspezialisten „scoyo“, die unter berufstätigen Eltern von Kindern zwischen sechs und 14 Jahren durchgeführt wurde. 56 Prozent, also mehr als die Hälfte, der berufstätigen Mütter und Väter kämpfen mit Gewissensbissen, weil sie glauben, dass im alltäglichen Miteinander von Beruf und Familie immer jemand zu kurz komme. Vor allem wegen der Kinder plagt die Befragten ein schlechtes Gewissen: 52 Prozent haben immer wieder das Gefühl, zu wenig Zeit mit ihren Söhnen und Töchtern zu verbringen. 41 Prozent glauben, dass sie ihre Kinder schulisch zu wenig unterstützen.

Fast die Hälfte aller Eltern hat auch sich selbst gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil sie als Mütter oder Väter die eigenen Interessen vernachlässigen. Innere Konflikte entstehen, wenn die Eltern an sich selbst denken: 42 Prozent der Befragten berichten von einem schlechten Gewissen, weil sie ihren Beruf sehr wichtig nehmen. Das schlechte Gewissen trifft fast alle gleich stark: Männer wie Frauen, Stadtbewohner genau wie die Eltern, die auf dem Dorf wohnen, ältere wie junge. Auch der Bildungshintergrund macht keinen Unterschied. Überdurchschnittlich oft sind dagegen Alleinerziehende betroffen: Zwei Drittel von ihnen treibt das ungute Gefühl um, dass sie nicht allen Ansprüchen gerecht werden. Auch die Entscheidung für einen Teilzeitjob verbessert die Situation offenbar nicht: 55 Prozent der befragten Teilzeit-Berufstätigen kennen die Schuldgefühle genauso wie 56 Prozent der Vollzeit-Beschäftigten. Um den Eltern die Gewissensbisse zu nehmen, reicht es aber nicht aus, den Alltag umzuorganisieren, glaubt Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo, der die Umfrage in Auftrag gegeben hat. „Viele Eltern empfinden einen massiven Bildungsdruck, um den Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen.“ Und auch hier meinen die meisten, die gesamte Förderung selbst in die Hand nehmen zu müssen. Drei von vier Eltern sehen sich in der Pflicht, ihre Kinder beim außerschulischen Lernen zu unterstützen.

Mehr Gelassenheit

Deshalb könne auch ein Wandel der Einstellung mehr Gelassenheit in den Familienalltag bringen, meint Bialecki: „Schulkinder brauchen die Aufmerksamkeit ihrer Eltern nicht rund um die Uhr. Viele Schulen leisten großartige Arbeit. Wichtig ist weniger, wie viel Zeit man als Familie zusammen hat. Entscheidend ist vielmehr, ob Eltern und Kinder diese Stunden auch genießen können ohne Stress und Gewissenbisse. Da ist weniger oftmals mehr.“