Anstehen um Praktikum

Vorarlberg / 25.05.2015 • 20:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Plätze für klinisch-praktisches Jahr in Spitälern gefragt. Wartelisten bis 2017.

feldkirch. (VN-mm) Früher wurden sie händeringend gesucht, heute stehen sie buchstäblich Schlange, und das hat Folgen. Medizinstudenten, die in einem Vorarlberger Krankenhaus das sogenannte klinisch-praktische Jahr (KPJ) absolvieren wollen, müssen Wartezeiten bis 2017 in Kauf nehmen. Das bestätigte der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, auf VN-Nachfrage. Allein für heuer haben sich 175 Personen für das klinisch-praktische Jahr angemeldet, wie aus einer Anfragebeantwortung von Gesundheitslandesrat Christian Bernhard an die FPÖ hervorgeht.

Aktuell sind 15 Studierende in den Landeskrankenhäusern tätig, 80 KPJ-Plätze gibt es. Auch im Krankenhaus Dornbirn kann dieses im sechsten und letzten Studienjahr erforderliche Praktikum absolviert werden.

Finanzieller Obolus

Einer der Hauptgründe für das große Interesse dürfte wohl der Umstand sein, dass Vorarlberg lange das einzige Bundesland war, das den Medizinstudenten einen Obolus von immerhin 580 Euro monatlich bezahlte und bezahlt. Inzwischen haben die anderen Bundesländer finanziell nachgezogen. „Das bedeutet, wir müssen unsere Bemühungen weiter verstärken, angehende Mediziner ins Land zu holen“, betont der Spitalsmanager.

Um das lange Warten auf einen Praktikumsplatz zu verkürzen, wäre aus seiner Sicht die Ausweitung des Stellenangebots eine Option. „Wir müssen uns da möglichst breit aufstellen“, meint Fleisch. Allerdings bedürfe diese Maßnahme einer genauen Prüfung. Denn die jungen Leute seien heutzutage sehr flexibel. „Die Wartelisten im Zusammenhang mit den KPJ-Plätzen können sich schnell ändern“, bezeichnet der KHBG-Direktor diese deshalb als relativ. Viel wichtiger sei es, den Medizinstudenten, die sich in erster Linie eine gute Ausbildung erwarten, auch gut geführte Plätze zu bieten. „Sie dürfen nicht das Gefühl haben, Lückenbüßer zu sein. Dann wird es uns gelingen, sie an Vorarlberg zu binden“, gibt sich Gerald Fleisch überzeugt. Dazu soll auch die persönliche Betreuung vor Ort beitragen.

Seit fünf Jahren etabliert

In den Landeskrankenhäusern Vorarlbergs ist das klinisch-praktische Jahr seit rund fünf Jahren etabliert. Seit etwa zwei Jahren gibt es dafür eine Entlohnung, die eine Art Anreiz für später darstellen soll. Als Grundlage zur Durchführung des KPJ dienen schriftliche Vereinbarungen zwischen den Medizin-Universitäten und den Spitälern. Dadurch sind die Landeskrankenhäuser Feldkirch, Bregenz, Hohen­ems und Bludenz sowie das Stadtspital Dornbirn berechtigt, Studierende in den entsprechend akkreditierten Abteilungen auszubilden.

Verschiedene Abteilungen

Die Plätze sind auf verschiedene Abteilungen aufgeteilt. Im Landeskrankenhaus Feldkirch stehen 53, im Landeskrankenhaus Bregenz 17, im Landeskrankenhaus Bludenz 6 und im Landeskrankenhaus Hohenems 4 KPJ-Plätze zur Verfügung. Dornbirn stellt Plätze in den Abteilungen Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin, Radiologie, Kinder- und Jugendheilkunde sowie Innere Medizin bereit. Die Plätze werden auf Basis der Vormerkungen vergeben bzw. zugewiesen.