Flüchtlinge im Nobelskiort

Vorarlberg / 25.05.2015 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Quartier für 20 bis 30 Asylwerber in Lech. Weitere Gemeinden in Verhandlungen.

Bregenz, Lech. (VN-mip) Es war Josef Schellhorn, der diesen Stein ins Rollen brachte. Der ehemalige Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und nunmehrige Nationalratsabgeordnete der Neos will in einem seiner Hotels in Salzburg 40 Flüchtlinge unterbringen. Das Personalhaus würde nur im Winter gebraucht, deshalb stünde es nun frei. Doch der Bad Gasteiner Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP) machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Er will die Unterbringung mit allen Mitteln bekämpfen. Für Schellhorns Nachfolger an der ÖHV-Spitze, den Lecher Hotelier Gregor Hoch, ein untragbarer Zustand. Unter dem Titel „Gastgeberland Österreich versus Flüchtlingspolitik in Österreich“ verfasste er auf der ÖHV-Homepage ­einen Brief an die Mitglieder, in dem er um Hilfe bittet.

Klare Worte

Darin heißt es: „Österreich ist der Weltmeister unter den Gastgeberländern. Dennoch schaffen es politische Verantwortungsträger nicht, ausreichend Quartiere für Verfolgte und von Not betroffene Menschen zu organisieren. Hilfsbedürftige sitzen in nassen Zelten oder Schubhaftzentren. (…) Das macht uns wütend und betroffen. Wir haben spontan beschlossen, Betroffenen zu helfen.“ Der ÖHV-Präsident macht gleich den Anfang. Er öffnet das Personalhaus seines Hotels Sonnenburg in Lech für Kriegsflüchtlinge. 20 bis 30 Asylwerber werden hier in ein paar Wochen einziehen und für fünf Monate Unterschlupf finden. „Wir müssen noch einiges klären. Aber es geht nicht um Ob-Fragen, sondern lediglich um Wie-Fragen“, sagt Hoch zuversichtlich und nimmt sich kein Blatt vor den Mund: „In einem der reichsten Länder der Welt müssen Kriegsflüchtlinge, deren Heimat zerschossen wird, in Zelten untergebracht werden. Das geht gar nicht!“

50 Flüchtlinge in dieser Woche

Im Gegensatz zu seinem Salzburger Vorgänger muss Hoch keinen Widerstand aus der Gemeindestube befürchten. Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel steht diesem Projekt „sehr positiv gegenüber“, wie er betont. Doch nicht in jeder Gemeinde stößt ein solcher Vorschlag auf Gegenliebe.

Der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) steht derzeit nach eigenen Angaben mit neun Gemeinden in Verhandlungen: „Wir müssen einige Dinge klären. Außerdem sollten die Nachbarn informiert werden, und die Schulen müssen wissen, wie viele Jugendliche kommen. Manchmal ist es mühsam, aber bei einer Konfrontation würden alle verlieren“, ist er sich sicher. Derzeit habe das Land einige kleinere Quartiere in Aussicht. Der Landesrat legt sich fest: „Diese Woche werden wir noch 50 Flüchtlinge aufnehmen.“ Für den Notfall sei wieder eine Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz angedacht. Die Rettungsorganisation hat schon über Weihnachten für einige Wochen ihre Räume zur Verfügung gestellt. Indes wird die Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die mangels Wohnung nach wie vor in den Quartieren für Asylwerber leben, immer größer. Schwärzler spricht von mittlerweile 250 Flüchtlingen.

ÖHV will Zeichen setzen

Die ÖHV will jedenfalls weiter aktiv bleiben. Das Schreiben schließt mit den Worten: „Wollen Sie Schutzsuchenden ein festes Dach und ein Bett zur Verfügung stellen? Dann melden Sie sich bei uns unter office@oehv.at, und setzen auch Sie ein Zeichen!“

Es geht nicht um Ob-Fragen, sondern lediglich um Wie-Fragen.

Gregor Hoch

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