Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Glamour und Grauen

Kultur / 25.05.2015 • 19:19 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Stätten des Glanzes und des Grauens liegen nicht weit voneinander entfernt. Zur Festivalzeit, im Mai, ist Cannes noch etwas mehr ein Ort des Luxus als in den anderen Monaten.

Denn wo die Filmbranche feiert, da erwartet das Publikum Glamour. Zumindest auf dem roten Teppich. Auf der Leinwand sind die Schattenseiten ohnehin präsent. Dafür steht das Festival an der Côte d’Azur auch, und es zählt nach wie vor zu den weltweit wichtigsten. Mit seinem Low-Budget-Film „Die fetten Jahre sind vorbei“ hatte es der Vorarlberger Hans Weingartner vor Jahren mit Kapitalismuskritik in den Wettbewerb geschafft, Ulrich Seidl und Michael Haneke haben mit aufrüttelnden Werken Festivalgeschichte geschrieben.

 

Unweit von Cannes, auf dem Mittelmeer, kentern Flüchtlingsboote auf dem Weg nach Europa. Hunderte Menschen sind in jüngster Zeit ertrunken. Als Filmdrama ist uns das Flüchtlingsthema willkommen, wir zeichnen es – wie heuer – aus. Und in der Realität? Auch beim Anschub der Kulturhauptstadtdebatte, die man in Vorarlberg führen will, wurde jüngst die Bemerkung laut, dass es schwer sei, sich diesen schönen Dingen zu widmen, solange Europa uneins vor der Lösung brennender Fragen steht.

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