„Ihr seid doch alle Kriminelle“

Vorarlberg / 25.05.2015 • 22:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Richter Martin Mitteregger vertagte den Prozess.  Foto: VN/hb
Richter Martin Mitteregger vertagte den Prozess. Foto: VN/hb

Angeklagter lehnt sich gegen die Gerichtsbarkeit auf. Gutachten soll Klarheit schaffen.

Christiane Eckert

Feldkirch. Es scheint beinahe wie im Film. Angeklagt ist ein Deutscher, der sozial integriert scheint, einen Job in der Produktion hat und auch nicht darüber klagen kann, keine Freunde zu haben. Was das Delikt betrifft, geht es um nichts Weltbewegendes. Der Mann hinderte im Februar in Götzis zwei Polizeibeamte an einer Fahrzeugkontrolle. Deshalb wirft man ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt vor.

In Begleitung von 15 bis 20 Personen nimmt er hinten im Gerichtssaal Platz, dann beginnen endlos scheinende Diskussionen. Stets begleitet vom Murmeln des „Gefolges“.

Wirr und frech

„Wie kommen Sie dazu, dass ich der . . . bin?“, will der Angeklagte nicht einmal zu seinen Personalien Auskunft geben. „Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut, hier wird über eine juristische Person gerichtet“, entrüstet sich der Mann mittleren Alters. „Das ist ein privates Handelsgericht. Geht es hier um Substanz oder Form?“, führt der Beschuldigte weiter aus und seine Begleiter stimmen ihm überzeugt zu. Geduldig hört sich Richter Martin Mitteregger den Mann an. Schließlich weiß er, dass der Beschuldigte immer wieder für Probleme sorgt.

Schon einmal schickte ein Richter den Betreffenden zu Gerichtspsychiater Reinhard Haller, der in seinem Gutachten eine „ausgeprägte paranoide Persönlichkeitsstörung und schwere emotionale Erregungszustände“ beschrieb. Noch einmal gehe er auf keinen Fall zu diesem Haller, entrüstet sich der Begutachtete, der sich schon wieder in Rage redet.

Schlecht informiert

Der Angeklagte scheint es zu genießen, von Freunden unterstützt, dem Gericht Vorträge zu halten. Er versucht mit juristischer Raffinesse zu punkten, doch was er ausführt, ist juristisch schlichtweg falsch. „Der Papst hat alle Immunitäten aufgehoben, auch Ihre!“, ruft er lautstark hinaus. „Wenn Sie so weitermachen, lehne ich Sie ab!“, plustert er sich auf. „Sie ignorieren alle Beweise. Ihr seid doch Kriminelle, Verbrecher!“, macht er sich wichtig. „Gehen wir, die Sache hier ist für mich gegessen!“, fordert er sein Gefolge zum Abmarsch auf.

Es scheint unumgänglich, nochmals die Frage der Zurechnungsfähigkeit klären zu lassen. Klar scheint, der Mann hat Schwierigkeiten, Autoritäten zu akzeptieren. Staatsanwältin und Richter nehmen den Auftritt mit erstaunlicher Geduld und Gelassenheit hin. „Sie können sich gerne als Mensch bei mir melden, dann können wir einmal vernünftig darüber reden“, bietet der Angeklagte dem Richter großzügig an. Ob der davon Gebrauch machen wird, ist eher fraglich. Der Prozess wurde vertagt.

Der Papst hat alle Immunitäten aufgehoben, auch Ihre!

Der Angeklagte