Junge Solisten vertrieben mit Geige und Cello die kühle Pfingststimmung

Kultur / 25.05.2015 • 19:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karoline Wocher brilliert an der Violine.  Fotos: Fehle
Karoline Wocher brilliert an der Violine. Fotos: Fehle

Musikfreunde holten sich wieder aufstrebende Talente an Bord und siegten damit auf ganzer Linie.

Bregenz. (vf) Frühlingsgefühle? Ja, die könnten sich leicht breitmachen nach so einem Konzert der Bregenzer Musikfreunde, trug deren aktuelles Projekt im Bregenzer Kornmarkttheater selbige ja bereits im Titel. Eins gleich vorweg: Versprochen wurde nicht zu viel. „Luftig und leicht wie ein Tanz, wie eine Wolke“, so lauteten die letzten Anweisungen, die Dirigent Hansjörg Gruber seinen Musikern noch bei den finalen Proben mit auf den Weg gab. Nichts andres als Tanzmusik, als Spielmannsmusik ist Gabriel Faurés „Masques et bergamasques“.

Ist der Titel einem Gedicht von Verlaine entnommen, so zeichnet die Komposition Szenerien, die an die herrschaftlichen Feste des 18. Jahrhunderts erinnern. Uraufgeführt 1919 in Monte Carlo, wurde „Masques et bergamasques“ ursprünglich auch von Schauspiel begleitet, dessen Inhalt kurz erzählt ist: Eine Schauspieltruppe beobachtet den Adel, dessen Liebeleien und Amusement. So ist das ganze Werk, das Fauré im Auftrag von Prinz Albert I. von Monaco komponierte, gezeichnet von einer schelmischen Gewitztheit und vor allem von tänzerischer Leichtigkeit und Lebenslust. All das fand man auch bei den Bregenzer Musikfreunden wieder und bei Hansjörg Gruber, der die Musiker sicher und versiert über Faurés musikalisches Tanzparkett führte.

Ein echter Hörgenuss

Dass Beethovens Sinfonie Nr. 5 op. 67 einen mehr als würdigen Schlusspunkt im Konzertprogramm setzte, steht sowieso außer Frage. Ebenso fraglos war auch, wer die Stars des Bregenzer Konzertfrühlings waren: die Vorarlberger Musikergeschwister Karoline und Gustav Wocher. Musik ist für sie eine völlige Selbstverständlichkeit, diesen Eindruck gewinnt man sofort, wenn man Karoline und Gustav Wocher zuhört.

Das heißt auf keinen Fall, dass das Spiel vor allem von Routine gekennzeichnet wäre, nein, im Gegenteil. Musik scheint für Karoline und Gustav Wocher so selbstverständlich zu sein, dass sie es einwandfrei verstehen, ihre Sprache zu sprechen. Meisterkurse, nationale und internationale Wettbewerbe sowie Studien an Konservatorien im In- und Ausland finden sich in den Biografien von Karoline und Gustav Wocher, und dass sie einzulösen vermögen, was da geschrieben steht, dafür erwies sich Camille Saint-Saens „La Muse et le Poète“ als nahezu perfekt.

Spannendes Geplänkel

Saint-Saens inszeniert in seinem Werk ein Zwiegespräch, ein Geplänkel zwischen dem Poeten (Violoncello) und dessen Muse (Violine). Ineinander verschlungen liegen die beiden Solostimmen eng verwoben mit dem Orchester, korrespondieren miteinander und treiben sich weiter und immer weiter in die Höhe. Genau das gelang Karoline Wocher (Violine) und Gustav Wocher (Violoncello) einwandfrei. Das will etwas heißen, verlangt Saint-Saens Werk nicht nur technisch seinen Interpreten einiges ab, sondern vor allem auch in der Interpretation, in der Tiefe des Werks, in seinen Stimmungen.

Man darf schon gespannt sein, wo man von den jungen Vorarlbergern Karoline und Gustav Wocher noch hören wird; dass man von ihnen hören wird, steht fest.

Der junge Cellist Gustav Wocher mit Dirigent Hansjörg Gruber.
Der junge Cellist Gustav Wocher mit Dirigent Hansjörg Gruber.