Technik beschert Rosberg Sterntag

Sport / 25.05.2015 • 18:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Applaus von Monacos Prinzessin Charlene für Sebastian Vettel, Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Foto: ap
Applaus von Monacos Prinzessin Charlene für Sebastian Vettel, Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Foto: ap

Unnötiger Boxenstop kostete Lewis Hamilton beim Grand Prix in Monaco den Sieg.

monaco. Nico Rosberg machte sich im feinen Smoking zusammen mit Gattin Vivian auf zum Fürstendinner, Lewis Hamilton ließ sich von Bruder Nicolas trösten, und Motorsportchef Toto Wolff trat den Gang nach Canossa an: Der über weite Strecken langweilige Große Preis von Monaco entwickelte sich wegen eines kapitalen taktischen Fehlers von Mercedes zu einem echten sportlichen Drama, in dem ausgerechnet Weltmeister Hamilton die tragische Figur gab.

„Ich kann nicht ausdrücken, wie ich mich gerade fühle, also werde ich es auch nicht versuchen“, sagte der sichtlich angeschlagene Hamilton, nachdem er bis zur Safety-Car-Phase kurz vor dem Ende wie der sichere Sieger ausgesehen hatte. Schuldzuweisungen sparte sich der Brite aber: „Wir gewinnen zusammen als Team, und wir verlieren zusammen als Team.“

Dabei hatte Mercedes ja gar nicht verloren, es stand nur der falsche Silberpfeil am Ende vorn. Die Strategen hatten Hamilton nach einem üblen Crash von Youngster Max Verstappen in der anschließenden Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel an die Box geholt. „Wir dachten, wir haben einen Vorsprung, den wir nicht hatten. Wir haben uns verrechnet“, gab Wolff zu.

„Fehler passieren“

Die folgenschwere Entscheidung fiel erst 50 Meter vor der Boxeneinfahrt. „Wir sind alle Menschen, Fehler passieren“, sagte Wolff. Das zu langsame (Mercedes!)-Safety-Car hatte Hamilton am Ende die entscheidenden Sekunden vor dem Boxenstopp gekostet. Der letztlich zweitplatzierte Ferrari-Star Sebastian Vettel und auch Rosberg waren draußen geblieben, so fand sich Polesetter Hamilton auf einmal hinter dem deutschen Duo wieder – und verstand die Welt nicht mehr.

„Ich war sehr überrascht, als ich das Safety Car gesehen habe, aber nicht Lewis. Ich habe mich gefragt: Wo zur Hölle ist er hin? Und auf einmal sehe ich einen harten Zweikampf hinter mir zwischen einem Ferrari und einem Mercedes und denke: Was ist da denn los?“, erzählte Rosberg später.

Sauer war Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams. „Ich freue mich natürlich sehr für Nico, aber um ehrlich zu sein, überwiegt gerade bei mir der Ärger über den Fehler unserer Strategie-Menschen“, sagte Lauda am Sky-Mikrofon: „Alle haben diskutiert, keiner hat eine Entscheidung getroffen, dann haben sie eine getroffen, und die war falsch.“ Man müsse jetzt „analysieren und dann Konsequenzen ziehen“.

Dem widersprach Wolff ebenfalls bei Sky: „Es wird keine Konsequenzen geben, wir sind ein Team, wir haben die Plätze eins und drei belegt, Konsequenzen gibt es keine.“

In dem Theater um Hamilton ging es ein wenig unter, dass Rosberg nach dem Barcelona-Triumph erstmals in seiner Karriere zwei Siege in Folge feierte, nach 2013 und 2014 zum dritten Mal in seiner Wahlheimat triumphierte. „Ich habe gemischte Gefühle. Lewis hat einen großartigen Job gemacht, er hatte den Sieg verdient. Dessen bin ich mir sehr bewusst, und ich fühle mit ihm“, sagte Rosberg: „Auf der anderen Seite: Ein Sieg ist ein Sieg.“

Das Fürstentum Monaco schaut Formel 1. Nico Rosberg fährt vor Sebastian Vettel zum Sieg. Foto: apa
Das Fürstentum Monaco schaut Formel 1. Nico Rosberg fährt vor Sebastian Vettel zum Sieg. Foto: apa