Abschottung treibt Flüchtlinge aufs Meer

Politik / 26.05.2015 • 23:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

UN-Flüchtlingskommissariat fordert legale Einreisemöglichkeiten.

Wien. (VN-ebi) Gibt es keine politische Lösung für Krisenländer wie Syrien, Libyen oder dem Irak, „müssen wir uns an die Flüchtlingsströme gewöhnen“, sagte Volker Türk, stellvertretender UN-Flüchtlingshochkommissar am Dienstag in Wien. Sich davor abzuschotten mache keinen Sinn und wäre vielmehr eine „Vogel-Strauß-Politik“. Denn wenn ein Weg verschlossen werde, würden andere Routen genutzt. Ein Beispiel dafür sieht Türk in der Politik Bulgariens. Das Land habe die aktuelle Mittelmeerkrise mit verursacht, indem es einen stärkeren Grenzzaun zur Türkei errichten ließ. Eine Landroute wurde damit abgesperrt und Menschen, die flüchten wollen, auf das Meer getrieben.

Dass die EU nun militärisch gegen Schlepper vorgehen und Boote zerstören möchte, kommentierte Türk mit Zurückhaltung. Wichtiger wäre es etwa, dass Europa legale Einreisemöglichkeiten auch für Asylwerber schaffe – etwa auf dem Weg der Familienzusammenführung oder des „Resettlements“. Dies bedeutet, dass Flüchtlinge schon mit der fixen Zusage der Aufnahme in ein sicheres Land kommen.

Zelte in Österreich „nicht ideal“

Zur aktuellen Situation in Österreich erklärte Türk, dass die Unterbringung von Asylwerbern in Zeltlagern „nicht ideal“ sei. Als Übergangslösung aber wären sie besser als Obdachlosigkeit. Ähnlich äußerte sich kürzlich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), als sie von einer „letzten Option“ sprach.

Unterdessen steigt die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen weiter. 2013 waren es weltweit mehr als 50 Millionen Menschen. Eine aktualisierte Statistik wird die UNHCR in den kommenden Wochen vorlegen, kündigte Türk an.