Er verlangt Gleichberechtigung

Kultur / 26.05.2015 • 18:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michael Floredo erhielt einen Auftrag für die Brucknerorgel in St. Florian.  Foto: Jurmann
Michael Floredo erhielt einen Auftrag für die Brucknerorgel in St. Florian. Foto: Jurmann

Der Komponist Michael Floredo plädiert für eine Fixquote an Zeitgenössischem.

ALTACH. (ju) Mit seinen aufregenden Orgelimprovisationen, den bestaunten vier Symphonien und seinen kritischen Gedanken zur Akzeptanz neuer Musik gilt der heimische Komponist Michael Floredo (47) als Vordenker, als Stachel im Fleisch des eingefahrenen Musikbetriebs. Nun lässt er im VN-Interview mit der Forderung nach einer festen Quote für das aktuelle Musikschaffen aufhorchen.

Demokratieentwicklung

Bei näherer Betrachtung des mittlerweile 50 Werke umfassenden Schaffens von Michael Floredo spürt man den ausgeprägt sakralen Charakter seiner größer besetzten Stücke. Andererseits lassen sich in seiner Kammermusik im weitesten Sinne auch politische Bezüge erkennen, etwa in „Warning to the rich“ (2002) oder „Zeitspiegel“ (2005), das sich auf „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und die Armut in der Welt bezieht. „Die Gedenktage zum Ersten Weltkrieg haben mich angeregt, einmal als Musiker über das Verhältnis zwischen Demokratie und Monarchie nachzudenken“, so Floredo im VN-Interview. „Genau zum Ende der Monarchie 1918 brachte Arnold Schönberg ein völlig neues System heraus, das mit seinen zwölf gleichberechtigten Tönen genau der damals beginnenden Demokratie entsprach. Das ist für mich keine Revolution, sondern eine Evolution, die mit der Demokratieentwicklung ganz eng zusammenhängt. Diese wurde jedoch bald durch eine Diktatur niedergeschlagen, denn Hitler hat ganz genau gewusst, dass Musik, die zum Denken anregt, Gift ist für seine Politik.“

Inzwischen darf längst wieder gedacht werden. Doch wenn der Komponist Balduin Sulzer kürzlich in Ö1 meinte, dass neue Musik heute noch immer nicht das Gewöhnliche repräsentiere, sondern das Fremde, dann fühlt sich Floredo ihm diesbezüglich seelenverwandt. „Die kulturpolitische Verantwortung lässt es zu, dass in unseren Konzerten zu 99,9 Prozent die Musik aus Monarchien wie in einer Endlosschleife mit großem Aufwand immer und immer wieder gespielt wird. Das war in keinem Jahrhundert der Musikgeschichte so ausgeprägt wie heute. Die Kulturpolitik erkennt nicht, dass neue Musik gerade in Zeiten einer kulturellen Durchmischung das Demokratieverständnis unterstützt und weiterentwickelt in einem Maß, wie es die Kunst eben kann; dass nach der Chaostheorie der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt einen Orkan auslösen kann. Die neue Musik wird in ihrem Wesen heute einfach nicht in einem gleichberechtigten Maß ernst genommen.“

Uraufführungen

Dann kommt er auf den Punkt: „Ich möchte das Wort Quote ins Spiel bringen und es mit der Verantwortung der Kulturpolitik gleichsetzen, ebenso mit der Forderung nach einem Verhältnis von 50:50 zwischen alter und neuer Musik im Konzertleben und in den Medien.“

Die Orgel war von Beginn an das geistige Zentrum seiner Arbeit, aus der Improvisation an diesem Instrument erwachsen Michael Floredo bis heute die Inspirationen für seine Kompositionen. Das neueste Werk für Orgel, Saxophon und Schlagwerk, „Kontemplation: Geist – nicht Geist“ wurde eben für die Uraufführung im Herbst bei den Basilikakonzerten Rankweil fertiggestellt. Ein Auftrag von den Internationalen Brucknertagen für die größte spielbare Kirchenorgel Österreichs, die Brucknerorgel in St. Florian, liegt für ein Festival im Jahr 2016 vor.

Bereits am Donnerstag wird im ORF Dornbirn ein älteres Werk Floredos aufgeführt, das 2001 für das Ensemble „New Art“ von Fuat Kent entstanden ist, und nun vom „ensemble plus“ neu einstudiert wurde. „Für 13“ verlangt eine größere Besetzung mit Streichern, Bläsern, Klavier und Schlagwerk.

„Es ist absolute Musik, ohne jedes Programm, auch wenn 13 eine interessante Zahl ist. Für mich ist Pythagoras (500 v. Chr.) mit seiner Proportionenlehre der eigentliche Vater der modernen Computertechnik. Seine These, dass sich alles, sogar das Gefühl, in Zahlenverhältnissen in der Musik darstellen lässt, stimmt bis heute.“

Ich möchte das Wort Quote ins Spiel bringen und es mit Verantwortung der Kulturpolitik gleichsetzen.

Michael Floredo

Zur Person

Michael Floredo

Geboren: 28. Juni 1967 in Hohenems

Ausbildung: 1986 Studienaufenthalt in St. Florian bei Augustinus Franz Kropfreiter, studierte Komposition bei Gerold Amann am Landeskonservatorium

Tätigkeit: freischaffender Organist, Komponist, Pädagoge an der Musikschule Walgau

Auszeichnungen: Internationaler Bodenseepreis für Komponisten, Österreichisches Staatsstipendium für Komposition, Preisträger der Päpst­lichen Akademien

Wohnort: Altach

Konzerte mit Werken von Michael Floredo: 28. Mai, 20 Uhr, ORF-Funkhaus Dornbirn: Neue Musik im Gespräch (ensemble plus); 18. Oktober, 20 Uhr, Basilika Rankweil – „Rosarium musicum“