„Höre mit Arbeit niemals auf“

Menschen / 26.05.2015 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenn es um gesunde Küche geht, ist Starkoch Jamie Oliver ein Missionar. Foto: Epa
Wenn es um gesunde Küche geht, ist Starkoch Jamie Oliver ein Missionar. Foto: Epa

Jamie Oliver hat eine Mission: Die Welt soll sich besser ernähren. Heute feiert er seinen 40. Geburtstag.

london.. Jamie Oliver hat viel zu tun: Er ist gefeierter Koch, Showmaster, Gastwirt, Buchautor, Werbegesicht, Lebensmittelproduzent, Ehemann und vierfacher Vater. Und ganz nebenbei will er noch die Welt verbessern. „Unser Terminplan ist immer wahnsinnig eng“, sagt sein Pressereferent und rollt mit den Augen. Doch Jamie Oliver ist rund um seinen 40. Geburtstag am Mittwoch kein Stress anzumerken. Im Gegenteil: Er geht schwungvoll, strahlt, spricht wie ein Wasserfall und nimmt sich für Gespräche mehr Zeit, als sein Team das gern hätte. Seine Erklärung: „Ich liebe, was ich tue.“

Kochen „cool“ gemacht

In vielem ist Oliver auch mit 40 noch der junge Starkoch, der einfaches, aber gutes Essen und dessen Zubereitung in seiner Heimat Großbritannien und auf der ganzen Welt „cool“ gemacht hat. Auch heute noch trägt er Jeans, Turnschuhe und Wuschelhaare.

Wenn der Engländer über seine Revolutionspläne in Sachen gesunde Ernährung spricht, wird er zum Missionar. Oliver nimmt sich kaum Zeit zum Luftholen, wenn er über volkswirtschaftliche Schäden von Übergewicht durch Diabetes, Herz- und Gelenkkrankheiten doziert, über schlimme Folgen der Massenproduktion und eine skrupellose Nahrungsmittelindustrie. Für Menschen, denen der Gedanke an einen „Veggie Day“ die Zornesröte ins Gesicht treibt, hat er kein Verständnis. „Wer das vorschlägt, hat recht, aber vielleicht müssen noch ein paar mehr Leute sterben, bis alle das begreifen.“ Und er stellt klar: „Ich liebe Fleisch, aber wir essen einfach zu viel davon.“ Er selbst esse an drei Tagen in der Woche vegetarisch. Er habe ein vegetarisches Kochbuch geschrieben, das er bald rausbringen wolle,

Keine Angst vor Konzernen

Was Jamie Oliver will: Ernährungslehre als Pflichtfach an Schulen, und zwar weltweit. Angst, es mit Konzernen aufzunehmen, die an Fast Food Milliarden verdienen, hat er nicht. „Ich kann nerven, ich bin ein Großmaul“, bekennt er grinsend, man glaubt ihm. Anders wäre eine Karriere wie seine wohl auch nicht möglich. Die Liebe zum Kochen entdeckte er im Restaurant seiner Eltern, „The Cricketers“, im Dörfchen Clavering in der Grafschaft Essex. Zum Star in der Heimat wurde er 1999 mit der BBC-Show „The Naked Chef“. Sechs Jahre später startete Oliver seine Kampagne für besseres Schulessen. Heute ist kaum zu überblicken, was Jamie Oliver alles besitzt, betreibt und produziert. Die „Sunday Times“ schätzt das gemeinsame Vermögen mit Ehefrau Jools in ihrer Liste reicher Briten auf 180 Millionen Pfund (248 Mio. Euro). Schlagzeilen um Hygienemängel in seiner Metzgerei oder Ärger um ein vor laufender Kamera geschlachtetes Schaf hat Oliver halbwegs unbeschadet überstanden, auch wenn die Einnahmen laut „Sunday Times“ nicht mehr ganz so sprudeln wie früher.

„Ich höre nie auf. Wenn ich 70 werde, arbeite ich noch“, ist Oliver überzeugt. Dass er nun 40 ist, stört ihn gar nicht. Im Gegenteil: „Von 20 bis 30 hat mir niemand über den Weg getraut. Ab 30 haben mir alle getraut, aber mich nicht hinterfragt. Jetzt habe ich beides.“