In Erinnerung

Vorarlberg / 26.05.2015 • 18:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Martin Müller
(1915–1989)

Bürs. Am 27. Mai 1915 wurde Martin Müller in Bürs als Sohn eines Bauern geboren. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt Feldkirch wurde er Volksschullehrer. 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen, wurde schwer verwundet und verlor ein Bein – viele Wochen rang er mit dem Tod. Er sah sich außerstande, als Prothesenträger den Lehrerberuf wieder ausüben zu können und gründete ein C&C-Handelsgeschäft.

1955 wurde er in die Gemeindevertretung von Bürs und 1959 in den Vorarlberger Landtag gewählt. 1964, als Dr. Kessler Nachfolger von Ulrich Ilg Landeshauptmann wurde, ist Martin Müller in die Landesregierung berufen worden und war bis 1974 Landesrat für Wirtschaft, Raumplanung, Baurecht und Straßenbau- und Landesstatthalter.

Infrastruktur

Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Errichtung der Infrastruktur unseres Landes in der Nachkriegszeit, insbesondere dem Straßenbau. Trotz aller Widerstände konnte er in relativ kurzer Zeit die Rheintal- und Walgau-Autobahn realisieren. Das Wirtschaftsabkommen Vorarlbergs mit Südtirol-Trentino – genannt Accordino – war ihm ein besonderes Anliegen, ebenso die Erdöl-Ferngasleitung Genua–Ingolstadt. Im Führungstrio der Landesregierung der Nachkriegsjahre – Kessler, Müller, Mandl – kam Müller eine dynamische Funktion in der Durchsetzung politischer Ziele und vor allem in der Motivierung für die Übernahme von Mandaten zu. Purtscher bezeichnet Müller in seinem Buch „Berührungspunkte“ als „père politique“. Eine Reihe von Persönlichkeiten sind seiner kategorischen Aufforderung „Du goscht in Landtag . . . in d’Regierung“ nicht widerstanden. Er besaß in einer gewinnenden Art eine starke Überzeugungskraft, die sich in der Dominanz des Wirtschaftsbundes in seiner Epoche als Wirtschaftsbundobmann auswirkte.

Verdienstvolle Arbeit

1974, am Höhepunkt seiner Karriere als Landesstatthalter, trat er zurück, um sich künftig neben seinem Lebensmittel-Cash-&-Carry-Betrieb der Wirtschaftskammer zu widmen. Obwohl er sicherlich als Kammerpräsident gewählt worden wäre, wollte er, dass, wie stets zuvor, ein Industrie-Unternehmer die Wirtschaftskammer führe. Als Vizepräsident wirkte er sehr verdienstvoll für Vorarlbergs Wirtschaft, insbesondere für die Kleinbetriebe und Einzelunternehmer.

Große Dankbarkeit wurde ihm für seine Hilfsbereitschaft gezollt, besonders für seinen Einsatz für die Kriegsopfer, deren Obmann er 4O Jahre war.

Für einen guten Zweck nahm er jeden in die Pflicht. Müller war eine entschlussfreudige, redliche, loyale, offene Persönlichkeit, ein Mann aus dem Volk und für das Volk, der ungeachtet der hohen Funktionen, zu denen er berufen wurde, der bescheidene, einfache Martin blieb.

Starke Persönlichkeit

Es war schmerzlich mitanzusehen, wie diese starke Persönlichkeit, nach einer Operation gelähmt, seine letzten Lebensjahre behindert erleben musste. Martin Müller starb am 18. 6. 1989. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.