Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Aus schlechten Zensuren lernen

Markt / 27.05.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nur nicht nervös werden. Die österreichischen Regierungspolitiker setzen ihr Pokerface auf und lassen sich nichts anmerken, wenn die Alpenrepublik in einem internationalen Vergleich – zum Beispiel als Wirtschaftsstandort – an Boden verliert. Das kommt in den letzten Monaten immer häufiger vor und in vielen Bereichen. Sogar die von uns selbst so hoch eingeschätzte Gastlichkeit wurde neuerdings von ausländischen Touristikern abgewertet.

 

Erst am Mittwoch war es wieder so weit: Gleich vier Ränge hat die Alpenrepublik im Standortranking des Schweizer Instituts für Management-Entwicklung (IMD) in punkto Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt und rangiert nun auf Platz 26. Offiziell wird sowas gar nicht mehr kommentiert, nur die üblichen Verdächtigen schlagen Wirbel. In Vorarlberg forderte erst vergangene Woche Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser ganz vorsichtig Maßnahmen, die dem Sog in die Tiefe entgegenwirken sollten. Leitls Sager vom „Absandeln“ war ihm aber schon zu harsch. Aber offenbar muss man zu dieser Keule greifen, um überhaupt eine Reaktion zu provozieren.

 

Den Damen und Herren Kanzler und Minister muss doch endlich aufgehen, dass es mit einer Steuerreform, die nun eh wieder zerredet wird, nicht getan ist, wenn Österreich den Zug nicht verpassen will, der uns weiterhin Arbeit, Wohlstand und Sicherheit gewährleistet. Weil es Wählerstimmen kosten kann, wird das Thema Pensionen bislang nur mit der Kneifzange angegriffen. In nicht allzu ferner Zeit wird das System explodieren, wenn nicht endlich das Pensionsalter nach oben und die ausgezahlten Pensionen nach unten gehen, wenn es immer noch Berufsgruppen gibt, die weit mehr Ruhestandgeld abzocken als der gemeine ASVGler. Dieses Privileg ist schon längst nicht mehr argumentierbar. Staatsbedienstete haben nämlich nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz, sie verdienen auch während ihrer aktiven Arbeitszeit inzwischen mehr als Angestellte und Arbeiter in der Privatwirtschaft.

 

Ebenfalls nicht neu ist das zweite Handlungsfeld, das uns Österreichern in den Analysen der Standortexperten ans Herz gelegt wird: Bildung. Ein weiterer Streit zwischen den Verfechtern der Systeme kostet wertvolle Zeit und verspielt die Zukunft der nächsten Generation. Jetzt geht es nicht mehr um Befindlichkeiten und auch nicht darum, ob zwei Stunden Mehrarbeit zumutbar sind. Es geht um Menschen und deren Zukunft. Die schlechten Noten sind ein Weckruf. Das ist nicht anders als bei der Zeugnisverteilung in wenigen Wochen.

Die schlechten Noten sind ein Weckruf. Das ist nicht anders als bei der Zeugnisverteilung in wenigen Wochen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862