Christian Adam

Kommentar

Christian Adam

Das System Blatter

Sport / 27.05.2015 • 22:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Augen zu und durch! Viel mehr war von „Sepp Allmächtig“ auch gar nicht zu erwarten. Am Freitag steht ja die Wiederwahl von Joseph S. Blatter als FIFA-Präsident an. Dafür lässt der „Sonnenkönig des Weltfußballverbandes“ schon einmal ehemalige Weggefährten, darunter immerhin zwei Vizepräsidenten, fallen. Und was macht der Schweizer? Abtauchen und weitermachen, als wäre nichts passiert. Rücktrittsgedanken? Kein Thema für den 79-Jährigen. Das passt nicht in das System Blatter, das seit mehr als einem Jahrzehnt Skandale ignoriert, aussitzt oder clever umschifft.

Der 27. Mai 2015 wird mit seinen Hollywood-reifen Vorfällen in Zürich in die Geschichtsbücher der FIFA eingehen. Was vielleicht wie ein schlechter TV-Krimi anmutet, ist bittersüße Realität: Korruptionsvorwürfe in Höhe von über 150 Millionen Euro. Zwei Polizeiaktionen mit Verhaftungen und Durchsuchungen im FIFA-Hauptquartier am Zürichberg. Das ist weit mehr als ein Kavaliersdelikt. Herr Präsident, machen Sie die Augen auf: Mit einem solchen Führungsstil schaden Sie dem schönen Sport. Ihr Versprechen der Aufklärung „jeglichen Fehlverhaltens“ in Ehren, aber es kommt reichlich spät.

Vielleicht mag es blauäugig sein, zu glauben, ein Machtmensch wie Blatter trete freiwillig von der Bühne ab. Der Vertrauensverlust aber wird dieses Mal nur mit einem radikalen Neuanfang und neuen Funktionären abzufedern sein.

christian.adam@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-211