Realitätsfernes Schulsystem?

Leserbriefe / 27.05.2015 • 18:49 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das derzeitige Schulsystem sei realitätsfern, so die Einschätzung der Experten des Forschungsprojekts „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen“. Doch welches Datenmaterial wird hier an welcher Realität gemessen? Etwa dass Vorarlberg mit seinem differenzierten Schulsystem die österreichweit geringste Jugendarbeitslosigkeit von 5,3 Prozent vorweisen kann, ganz abgesehen von dem EU-Durchschnittswert von 20,9 Prozent? Was ist daran so realitätsfern, wenn es dem differenzierten System in der Sekundarstufe I gelingt, vorhandene Defizite innerhalb von vier Jahren auszugleichen und die Ergebnisse der Jugendlichen im internationalen Vergleich deutlich zu verbessern? Im Weiteren ist im Nationalen Bildungsbericht des BIFIE auf Seite 199 nachzulesen, dass es Österreichs und somit auch Vorarlbergs differenziertem Schulwesen gelingt, die Abhängigkeit der Schülerleistungen vom sozioökonomischen Hintergrund während der Sekundarstufe I deutlich zu reduzieren. Ein wichtiger Gradmesser der „Realitätsnähe“ ist hingegen die im Forschungsprojekt untersuchte große Zufriedenheit der Eltern mit den für ihre Kinder gewählten Schulformen, sie liegt bei 90 Prozent! Hier gebührt den Lehrern Lob für ihr Engagement. Ein interessantes Ergebnis des Forschungsberichts darf ebenfalls nicht übersehen werden: „Die Änderung der Schulorganisation ist kein Garant für höhere schulische Leistungen und bessere Chancen für alle Kinder.“ Ziel der Politik im Lande sollte daher die Erhaltung der Wahlfreiheit in einem differenzierten Bildungssystem sein, um Chancengerechtigkeit, soziale Mobilität und Sicherheit zu gewährleisten.

Mag. michaela germann,
vorsitzende öpu-Vorarlberg, kapellenstrasse 6, lauterach