Vierlinge aus Berlin kämpfen sich ins Leben

Welt / 27.05.2015 • 22:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit 55 Jahren brachte Annegret R. Tochter Leila zur Welt. Foto: EPA
Mit 55 Jahren brachte Annegret R. Tochter Leila zur Welt. Foto: EPA

Die Babys gelten als „Hochrisikopatienten“. Ihre 65-Jährige Mutter hat die Geburt gut überstanden.

Berlin. Es geht ihnen gut, aber über den Berg sind sie noch lange nicht: Neeta, Dries, Bence und Fjonn, geboren mit zarten 655 bis 960 Gramm und nur 30 bis 35 Zentimeter lang, kämpfen sich ins Leben. Die Berliner Vierlinge sind weltweit einzigartig, weil ihre Mutter, die Berliner Lehrerin Annegret R., sie mit 65 Jahren zur Welt brachte – rund 15 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, berichteten die behandelnden Ärzte am Mittwoch.

Die Ärzte machten deutlich, dass es sich grundsätzlich um „Hochrisikopatienten“ handle. „Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und eine intensive Behandlung“, sagt Prof. Christoph Bührer, Neonatologie-Chef der Berliner Charité. Eine Prognose ist schwierig, die Gefahr für bleibende Schäden oder Entwicklungsverzögerungen hoch. Eines bekommen sie aber jetzt schon: Muttermilch, tröpfchenweise und per Magensonde. „Erstaunlicherweise funktionierte das bei der Mutter ganz ohne Hormongabe. Jetzt pumpt sie ab“, berichtet Prof. Wolfgang Henrich, Direktor der Charité-Klinik für Geburtsmedizin. Generell habe die 65-Jährige, die bereits 13 Kinder hat – die jüngste Tochter ist neun Jahre alt – die Schwangerschaft erstaunlich gut bewältigt.

Am Tag vor der Geburt habe sich Annegret R. in der Klinik vorgestellt, weil es ihr nicht gut ging: Bluthochdruck. In der Nacht setzten dann vorzeitige Wehen ein. „Für uns blieb trotzdem noch genug Zeit, die Entbindung gründlich vorzubereiten“, sagt Henrich. Das heißt: Die Babys bekamen noch im Mutterleib ein Mittel zur Lungenreifung gespritzt, vier mehrköpfige OP-Teams mussten bereitgestellt werden. „Dann haben wir die vier am vergangenen Dienstag um 11 Uhr im Minu­tentakt auf die Welt geholt“, so Henrich. Alles lief gut, zwei der Kinder atmeten von Anfang an bereits spontan.

Annegret R. wurde nach der Entbindung zwei Tage auf der Intensivstation überwacht. „Sie hat sich exzellent erholt und ist heute mehrmals täglich bei ihren Kindern“, berichtet Henrich.

„Vierlinge kommen im Mittel acht bis zehn Wochen zu früh zur Welt. Hier waren es fast 15 Wochen. Sie sind alle ganz zerbrechlich, aber ganz süß“, sagt Bührer. Die Frist bis zum eigentlichen Geburtstermin werden sie noch in der Klinik bleiben müssen, wenn alles klar geht. Denn Risiken drohen weiterhin, dem kleinen Mädchen – laut Bührer „eigentlich die Fitteste von allen vieren“ – mussten bei einer OP bereits kleine Löcher im Darm geschlossen werden.