Wunderkammer, die den Blick in die Welt schärft

Kultur / 27.05.2015 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Schriftstellerin Monika Helfer zeigt ihre Installation im Rahmen des Festivals Emsiana in Hohenems. Foto: VN/Steurer

Die Schriftstellerin Monika Helfer zeigt ihre Installation im Rahmen des Festivals Emsiana in Hohenems. Foto: VN/Steurer

Die Rauminstallation der Schriftstellerin Monika Helfer umfasst allein schon ein ganzes Festival.

Hohenems. (VN-cd) Von Zauberei, Schutzengeln und wundersamen Dingen erzählt kaum jemand so unprätentiös wie Monika Helfer. „Irma und der Tyrann“ heißt das letzte dieser Bücher der Hohenemser Schriftstellerin. Schreiben verlangt Konzentration und die Einhaltung von Regeln. Was würde denn entstehen, wenn sich die Künstlerin davon befreite? Wer sich diese Frage schon gestellt hat, wird nun das eine oder andere Thema in ihrer Installation verbildlicht sehen. Ort, Zeit und Umfeld sind bestens gewählt. Im Rahmen des Festivals Emsiana, das vom 28. bis 31. Mai den Wunderkammern und damit dem in die Renaissance zurückführenden Ursprung von Museen, aber auch den damaligen Welterklärungsversuchen gewidmet ist, zeigt sie erstmals bildnerische Arbeiten.

Der Begriff „Weltanschauung“ steht unter einem Fleischwolf, als könne das Gerät Buchstaben sortieren. Ungemein berührend und ebenfalls voller Ironie sitzt im Hintergrund eines ihrer Lieblingsobjekte: ein Äffchen im Raubtierpelz mit einem Schönling im Arm.

Die Begegnung mit Objekten des brasilianischen Künstlers Arturo Bispo do Rosário (1909–1989) sei entscheidend gewesen, erzählt sie beim Gang um eine liegende Figur aus Pillenbriefchen (sie sei nicht tot, sondern blinzle sogar) und beim Betrachten unzähliger Assemblagen, den von Tieren bedrängten oder einfach nur geschmückten Puppen. „Jeder hat so seine Erinnerung, die kann er hier ablegen“, gibt Helfer keinerlei Deutungsweg vor. Schriftsteller wie F. Scott Fitzgerald, Franz Kafka oder Toni Morrison sind anhand von Porträtfotos zugegen. Paula Köhl­meier, die eigene Tochter, war gerade im Begriff eine zu sein, als sie vor Jahren tödlich verunglückte. Mit diesen Bildern aus aus aller Welt zusammengetragenen Objekten erzählt Monika Helfer diese und eine Fülle weiterer Geschichten, sie greift das jahrhundertealte Kunstthema Wunderkammer auf, holt es in die Gegenwart, zieht nicht hinab, sondern entlässt den Besucher mit einem geschärften Blick in die Welt.

Jeder hat so seine Erinnerung, die kann er hier ablegen.

Monika Helfer

Die Installation von Monika Helfer ist ab 28. Mai (21 Uhr) im Löwenberg-Haus, Schweizer Straße, in Hohenems zu sehen: www.emsiana.at