334.000 Euro zum Abschied

Vorarlberg / 28.05.2015 • 21:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Karin Rettenmoser und Richard Amann werden wohl keine Freunde mehr.
Karin Rettenmoser und Richard Amann werden wohl keine Freunde mehr.

Emser Stadtamtsdirektorin bekommt nach Quasi-Rauswurf 36 Gehälter Abfertigung.

Hohenems. Es waren eigentlich gute Nachrichten, die Bürgermeister Richard Amann nach der Gemeindevertretungssitzung am Dienstag zu berichten hatte. Die Stadt schrieb 2014 zum fünften Mal hintereinander schwarze Zahlen, tilgte über drei Millionen Euro Schulden und legte zusätzlich 400.000 Euro auf die Seite. Dass er diese 400.000 Euro noch in diesem Jahr wieder abgeben muss, erwähnte er nicht. Im nichtöffentlichen Teil behandelten die 36 Hohenemser Volksvertreter eine wichtige Personalie: Karin Rettenmoser. Was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, blieb nicht lange geheim. Nach Informationen der VN beschloss die Gemeindevertretung mit 19 zu 17 Stimmen, Rettenmoser 36 Monatsgehälter Abfertigung zu bezahlen. Bei einem Monatsbruttolohn von rund 9200 Euro macht das ingesamt 334.000 Euro. Karin Rettenmoser reiht sich damit in die Geschichte der Hohenemser Stadtamtsdirektoren ein, die mit einer stattlichen Summe Geld aus dem Amt verabschiedet wurden.

Ende nach Wahlniederlage

Es war der 15. März dieses Jahres, als Hohenems von einem politischen Beben heimgesucht wurde. Bei der Bürgermeisterwahl hatte der amtierende Ortschef Richard Amann (ÖVP) gegenüber Herausforderer Dieter Egger (FPÖ) das Nachsehen. Amann hatte zwei Wochen Zeit, um die Stimmung vor der Stichwahl zu kippen. Seine erste Handlung: Stadtamtsdirektorin Karin Rettenmoser wurde nach 14 Jahren im Amt offiziell in die Bauabteilung versetzt. Die von der Opposition öfters kritisierte oberste Verwalterin der Nibelungenstadt wollte das nicht hinnehmen; erst recht nicht, weil Amann sie in dieser Funktion als „für die Stadt nicht mehr tragbar“ bezeichnete. Für Rettenmoser Grund genug, ihre Versetzung nicht zu akzeptieren. Ein weiterer Vorschlag ihrerseits, eine 60- bis 70-Prozent-Stelle zu schaffen und dort bei vollen Bezügen weiterzuarbeiten, kam für die Stadt nicht infrage.

Höhere Forderung angedroht

In der Sitzung am Dienstag ging es deshalb heiß her. Bürgermeister Richard Amann und FPÖ-Chef Dieter Egger sollen sich einen richtigen Schlagabtausch geliefert haben. Die Freiheitlichen forderten, den Vertrag noch einmal nachzuverhandeln. Eggers Schmerzgrenze soll bei 30 Monatsgehältern gelegen haben, also gar nicht weit weg vom aktuellen Ergebnis. Amann argumentierte allerdings, dass ein mögliches Gerichtsverfahren Jahre dauern könne und im Endeffekt um einiges mehr kosten würde. Deshalb lieber eine schnelle Lösung. Emsige und Grüne stimmten zu, weil sie ebenfalls der Meinung waren, dass diese Causa nun erledigt sein sollte. Der Betrag sei sowieso nicht verhandelbar. Eine weitere Diskussion würde nur die Anwalts- und Gerichtskosten in die Höhe treiben. Am Ende stimmte auch die SPÖ dafür, FPÖ und Bürgerbewegung dagegen. Keiner der Mandatare wollte Stellung nehmen, sie haben Verschwiegenheit zugesichert. Denn in der Vereinbarung zwischen Rettenmoser und der Stadt soll von einer gemeinsamen Presseerklärung über die Trennung die Rede sein. Würde dies vorher an die Öffentlichkeit geraten, soll Rettenmoser mit weiteren Forderungen an die Stadt und damit den Steuerzahler gedroht haben.

Es ist nicht die erste Mandantin, die dank Anwalt Grass eine hohe Summe von der Stadt Hohenems erhält. Schon für Rettenmosers Vorvorgänger Gerhard Huber holte er sich 2,5 Millionen Schilling Steuergeld. Zwischen Rettenmoser und Huber arbeitete Dieter Pfurtscheller auf dieser Position. Er erhielt als Abfertigung sechs Monatsgehälter von je 70.000 Schilling, also insgesamt 420.000 Schilling.

Emser Direktoren

Gerhard Huber

1985–1998

Abfertigung: 2,5 Millionen Schilling

Dieter Pfurtscheller

1998–2000

Abfertigung: 420.000 Schilling

Karin Rettenmoser

2001–2015

Abfertigung: 334.000 Euro