Great Barrier Reef: Der Welterbe-Status wackelt

Welt / 28.05.2015 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Great Barrier Reef in Australien ist das größte Korallen-Ökosystem der Welt.  Foto: EPA
Das Great Barrier Reef in Australien ist das größte Korallen-Ökosystem der Welt.  Foto: EPA

Sinkende Wasserqualität und Pläne zu massivem Hafenausbau bedrohen die Stätte.

Townsville. Fast 50 Prozent der Korallen am Great Barrier Reef sind seit 1985 verschwunden. Die Wasserqualität sinkt seit Jahren, und dann kam die australische Regierung auch noch mit Plänen zum massiven Hafenausbau. Die Wächter über das Weltnaturerbe bei der UN-Kulturorganisation UNESCO zogen die Reißleine: Sie haben gedroht, das größte Korallenriff der Welt auf die Liste des bedrohten Welterbes zu setzen. Womöglich noch diese Woche gibt die UNESCO ihre Empfehlung für die Entscheidung ab, die bei der Sitzung des Welterbekomitees Ende Juni in Bonn fallen soll.

Für Australien wäre das ein Prestigeverlust ohnegleichen. Es könnte das Land auch finanziell empfindlich treffen. Das Great Barrier Reef in einem rund 345.000 Quadratkilometer großen Meerespark vor der Nordostküste ist eine der größten Touristenattraktionen. Seit 1981 schmückt es sich mit dem Titel „Weltnaturerbe“. Die Riff-Experten Terry Hughes und Jon Day von der James-Cook-Universität sehen keinen guten Grund, warum das Welterbe-Komitee von seiner Drohung, das Riff auf die Liste des gefährdeten Naturerbes zu setzen, abrücken sollte. Die Behörden hätten kein Konzept, um die Folgen nicht-nachhaltiger Fischerei und des Klimawandels einzudämmen, schreiben sie. Die vorgesehenen 200 Millionen australischen Dollar im Jahr für Schutzmaßnahmen reichten bei Weitem nicht aus. Von 15 UNESCO-Empfehlungen seien nur zwei voll umgesetzt worden. Es fehle etwa ein Plan über konkrete zusätzliche Schutzzonen an den Küsten.

Dennoch: Australien könnte mit einem blauen Auge davonkommen. „Der Druck des Welterbe-Komitees hat viel bewirkt. Einige ganz schlimme politische Entscheidungen sind zurückgenommen worden“, sagt der Marinepark-Spezialist der Umweltstiftung WWF, Richard Leck. Die Regierung hofft, dass die Entscheidung erneut vertagt wird und das Barrier Reef erst in fünf Jahren wieder betrachtet wird.