Letzte Ehre für einen Flugpionier

Vorarlberg / 28.05.2015 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lothar Mätzler bei der Arbeit. Er restaurierte ein russisches Militärflugzeug. Foto: Berchtold   

Lothar Mätzler bei der Arbeit. Er restaurierte ein russisches Militärflugzeug. Foto: Berchtold   

Lothar Mätzler aus Andelsbuch war der erste Pilot im Bregenzerwald.

Andelsbuch. (VN-kum) Bei seiner Beerdigung am Mittwoch überflogen sieben Flugzeuge seinen Heimatort Andelsbuch. Auf diese Weise erwiesen ihm seine Kollegen die letzte Ehre. Lothar Mätzler war der erste Pilot im Bregenzerwald. Der 73-Jährige starb vor wenigen Tagen an einem Herzversagen. „Sein Tod kam plötzlich, von einer Sekunde zur anderen. Er war gesund und aktiv und mit dem Flugzeug beschäftigt“, sagt sein Sohn David. Dass sehr viele Menschen zur Verabschiedung seines Vaters kamen, hat ihn nicht erstaunt. „Das hat wohl auch damit zu tun, dass er sehr offen und tolerant war. Er ist immer auf die Menschen zugegangen.“ Und er übertrug seine Leidenschaft fürs Fliegen auf David und seinen Bruder Dominik. Beide Söhne traten in seine Fußstapfen und wurden ebenfalls Piloten. Die Leidenschaft fürs Fliegen erwachte bei Lothar Mätzler schon in jungen Jahren. „Er hörte im Rheintal den Überschallknall von Schweizer Militärflugzeugen. Das hat ihn fasziniert. Deshalb ging er in Richtung Luftfahrt“, erzählt David, der heute bei Intersky Flugkapitän ist.

Lebenstraum verwirklicht

Lothar absolvierte eine Ausbildung zum Flugzeugelektriker bei den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein, machte den Privatpilotenschein und flog dann Sportflugzeuge. Weil der Elektroniker beruflich viel im Ausland unterwegs war, musste er die Fliegerei jedoch an den Nagel hängen. Aber er blieb ihr bis zu seinem Lebensende verbunden. Denn als der flugbegeisterte Bregenzerwälder in Pension kam, erfüllte er sich seinen Lebenstraum. „Unser Däta wollte immer ein Flugzeug restaurieren. Denn ihm gefielen die Technik und die Sternmotoren“, berichtet der Pilot. 2001 erstand sein Vater ein altes Militärflugzeug aus Russland – eine „Yak 52“. Für sie baute er drei Jahre lang einen Hangar in Andelsbuch und gründete den Flugsportverein Andelsbuch, um ideelle Unterstützung zu haben. Sein Sohn, der Berufspilot, erinnert sich: „Ein russischer Testpilot überstellte das militärische Trainingsflugzeug nach Hohenems. Ich flog mit der Yak weiter nach Andelsbuch und landete auf einem Feld.“ Das erregte einiges Aufsehen in dem 2300-Seelen-Ort. Laut David wurde die „Yak 52“ in den folgenden Jahren Lothars Hauptbeschäftigung. „Er hat die Systeme und die Lackierung erneuert und die Instrumente verbessert.“ Der Pensionist investierte viel Zeit und Energie in das Flugzeug. „Er radelte fast jeden Tag zum Hangar und beschäftigte sich mit der Yak. Zuletzt hat er an den Instrumenten gearbeitet.“ Lothar war der Mechaniker. Die Vereinsmitglieder flogen die Maschine. „Aber er genoss es immer sehr, wenn er mit einem von uns mitfliegen konnte.“ Die Yak wurde inzwischen nach Hohenems überstellt und wartet dort auf ihre neue Zulassung.

 Die „Yak 52“ ist auch heute noch voll in Schuss. Foto: Bereuter        

 Die „Yak 52“ ist auch heute noch voll in Schuss. Foto: Bereuter