„Musik ist für mich ein Segen und eine Last“

Wohin / 28.05.2015 • 15:40 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Sarah Ferri Foto: Gus&Stella

Sarah Ferri Foto: Gus&Stella

Sarah Ferri präsentiert bei der Emsiana in Hohenems ihr Album „Ferritales“.

schwarzach. Sie begeistert mit ausdrucksstarker Stimme und außergewöhnlicher Bühnenpräsenz: Die belgisch-italienische Sängerin Sarah Ferri. Ihre charakteristische Musik erinnert an den Gypsy-Jazz der Fünfzigerjahre, an die großen Jazz-Diven der Sechzigerjahre und an den vielschichtigen Folk der Siebzigerjahre. Dabei gelingt es ihr, ihren eigenen Stil zu definieren und ins Hier und Jetzt einzubinden. Morgen, Samstag, ist die mehrfach ausgezeichnete Musikerin im Salomon-Sulzer-Saal in Hohenems live zu erleben. Sarah Ferri gab den VN vorab ein Interview.

Kannst du uns ein bisschen über deine Anfänge als Musikerin erzählen?

Ferri: Als kleines Mädchen sang ich oft in der Kirche und zu Hause. Singen gehörte zu meinem Alltag. Mit sieben Jahren begann ich mit klassischem Klavierunterricht. Mit 18 sang ich dann in einer Rockband und schrieb meine ersten Folksongs. Es war
eine tolle Zeit. Als sich die Band auflöste, begann ich Jazzklavier zu lernen und schrieb weiterhin Lieder. Aber mir wurde klar, dass ich mich vielmehr als Sängerin und Komponistin fühlte denn als Instrumentalistin. Ich wollte der Stimme in meinem Kopf Ausdruck verleihen.

Du hast eine starke und charismatische Stimme. Hast du eine Gesangsausbildung gemacht?

Ferri: Danke für das Kompliment. Ich habe keine professionelle Gesangsausbildung gemacht, sondern meine eigenen Tricks und Kniffe entwickelt, um meiner Stimme Ausdruck zu verleihen. Aber ich denke immer noch darüber nach, ob ich nicht doch ein paar Lektionen nehmen soll, um die richtige Atemtechnik zu lernen. Je besser man diese Technik beherrscht, umso relaxter kann man singen, ohne zu ermüden, gerade wenn man viele Konzerte gibt.

Wie sieht dein tägliches Gesangstraining aus?

Ferri: Ich mache kein tägliches Gesangstraining. An manchen Tagen fühle ich mich nicht nach Singen, an anderen kann ich gar nicht damit aufhören. Das kommt und geht, so wie Gedanken und Emotionen.

Stimmt es, dass du alle deine Songs selber schreibst?

Ferri: Ja, mir ist es lieber, meine Musik selber zu komponieren, weil es die einzige Möglichkeit ist, dieses Bild in meinem Kopf zu malen. Das ist für mich ein sehr persönlicher und instinktiver Prozess. Wenn ich die Texte dazu schreibe, beneide ich immer die großen Songwriter, die jeden Nonsens in Poesie verwandeln können.

Ist ,,Ferritales” dein erstes Album?

Ferri: Ja, richtig. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich dieses Album mit so guten Musikern machen konnte, die immer verstanden, auf was ich großen Wert lege, und die ihr Talent und ihre Erfahrung in das Album einbrachten.

Wie würdest du es beschreiben?

Ferri: Es ist bittersüß mit einem witzigen Beigeschmack. Wenn man entscheidet, sich selbst nicht so ernst zu nehmen, kann das sehr befreiend sein. Ich würde es als verträumten Gipsy-Swing mit dunklen klassisch-folkigen oder bluesigen Elementen beschreiben. Die Musik ist ausgefüllt mit dem Gefühl, das ich zu der Zeit, als ich
sie schrieb, hatte. Dieses Gefühl, das du mit den ersten Frühlingstagen nach einem kalten dunklen Winter bekommst.

Was inspiriert dich zu deinen Songs?

Ferri: Kleine Dinge. Dinge, die zwischen zwei Menschen ungesagt bleiben. Die Dinge, die uns klein und menschlich machen. Musikalisch bin ich inspiriert von Filmkomponisten, Jazzmusikern, der Natur und allem, was ich im Laufe der Zeit unbewusst aufnehme.

Wie entspannst du nach einem anstrengenden Konzert?

Ferri: Das allererste, was ich nach einem Konzert immer tue, ist, meine ganzen Haarnadeln rauszunehmen und erstmal ausgiebig meinen Kopf zu kratzen. Auch eine lange heiße Dusche funktioniert immer gut, um zu entspannen. Manchmal
kann ich nach einem Konzert einfach nicht einschlafen, dann gönne ich mir auch schon mal einen kleinen Grappa oder sowas in der
Art.

Gibt es auf deinem neuen Album einen Song, der für dich persönlich sehr wichtig ist?

Ferri: Oh, das ist mein Geheimnis. (lacht)

Welche drei Dinge nimmst du mit auf Tour?

Ferri: Einen Wollschal, den meine Oma gestrickt hat, sowie meine bequemen Stiefel. Außerdem meinen Computer, der beinhaltet meine gesamte Musik, Haushalt und Geschäft.

Bitte vervollständige den folgenden Satz: Musik bedeutet für mich . . .

Ferri: . . . einen Segen und eine Last. Aber sie ist auch ein Tor zur Seele, zum Geist und weit darüber hinaus.

Zur Person

Sarah Ferri

Wohnort: Gent – Drongen

Familie: Mutter aus Belgien, Vater aus Italien, 4 Schwestern, 1 Bruder

Lebensmotto: Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu

Sarah Ferri: Samstag, 30. Mai, Salomon-Sulzer-Saal in Hohenems. 20.30 Uhr. Karten: Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparkassen. laendleticket.com