Auch die klare Haltung der Eltern entscheidet

Gesund / 29.05.2015 • 11:26 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Morgen Sonntag ist Weltnichtrauchertag. Eine rauchfreie Umgebung mindert die Lust auf Nikotin.  Foto: VN/RP
Morgen Sonntag ist Weltnichtrauchertag. Eine rauchfreie Umgebung mindert die Lust auf Nikotin. Foto: VN/RP

Ob Jugendliche mit dem Rauchen anfangen, hängt nicht nur von Freunden ab.

Götzis. Das Rauchen ist in Österreich die zahlenmäßig stärkste Sucht: über 850.000 Österreicher sind von der Zigarette abhängig. Bei der Anzahl der jugendlichen Raucher belegt Österreich im internationalen Vergleich ebenfalls eine Spitzenposition. „Da 90 Prozent der Raucher vor ihrem 19. Lebensjahr beginnen, ist es wichtig, mit Kindern und Jugendlichen über das Rauchen zu reden“, betont Andreas Prenn, Leiter der Werkstatt für Suchprophylaxe (SUPRO). Aus präventiver Sicht sind dabei eine klare, ablehnende Haltung der Eltern – auch wenn sie selbst rauchen – und aktive Gespräche über das Rauchen wichtige Aspekte. Diese Gespräche erfordern je nach Altersstufe unterschiedliche Herangehensweisen.

Stinkend und schädlich

Sechs- bis Zwölfjährige: „Ich fange sicher nie mit dem Rauchen an!“ Kinder nehmen die Zigarette so wahr, wie sie ist: Sie stinkt und ist schädlich. Im Gespräch macht es Sinn, ihre kritische Haltung zu bestärken. Wenn die Kinder nach den gesundheitlichen Folgen des Rauchens fragen, sollten Sie aber zu drastische Aussagen und Bilder vermeiden. Dies könnte zu Ängsten führen. Sprechen Sie über Themen wie Geruch, Husten oder Abhängigkeit und klammern Sie die möglichen tödlichen Folgen aus.

Geld und Geruch

Zwölf- bis 15-Jährige: „Warum raucht man eigentlich?“ In diesem Alter werden die Gespräche schwieriger, denn die Jugendlichen beginnen, sich von ihren Eltern abzugrenzen. Wenn zu vehement gegen das Rauchen interveniert wird, kann das im ungünstigsten Fall den Griff zur Zigarette fördern. Wissenschaftliche Argumente stoßen auf wenig Verständnis. Wesentlich effektiver ist es, darüber zu reden, warum Menschen rauchen. Weitere Diskussionspunkte sind Geld, Attraktivität, Kosten, Geruch und körperliche Auswirkungen.

Über 15-Jährige: „Reden wir darüber, entscheiden musst du selbst.“ In diesem Alter steigt die Zugänglichkeit für Argumente gegen das Rauchen wieder an. Ab dem 16. Lebensjahr ist das Rauchen gesetzlich erlaubt, daher können Jugendliche selbst entscheiden, ob sie rauchen oder nicht. Mit dieser Altersgruppe lässt sich diskutieren, wie sie das Rauchen wahrnimmt und welche Risiken das Rauchen birgt.

Häufige Anliegen von Eltern

Mein Kind raucht, was kann ich machen?

Vielleicht reagieren Sie mit Wut und Ärger, wenn Sie erfahren, dass Ihr Kind raucht. Handeln Sie nicht vorschnell, sondern suchen Sie das Gespräch. Nur wenn die Jugendlichen selbst zur Einsicht kommen, wird sich ihre Haltung gegenüber dem Rauchen verändern.

Wirksamkeit von Verboten:

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind raucht, ist oft der erste Gedanke, das Rauchen zu verbieten. Zu Hause ist das vielleicht machbar, außer Haus ist dieses Verbot jedoch schwer zu kontrollieren. Übertriebene Kontrolle schädigt außerdem das Vertrauen. Eine klare Haltung ist für das Kind hilfreicher.

Treffen Sie Vereinbarungen:

Anstelle von Strafen kann eine Vereinbarung getroffen werden, die das Nichtrauchen belohnt. Ziel dabei sollte das Nichtrauchen sein. Ist das nicht möglich, sollten zumindest bestimmte Raucherregelungen durchgesetzt werden, etwa, dass das Kind zu Hause nicht raucht. Der Inhalt der Vereinbarung bleibt Ihnen überlassen, sollte aber auch mit Ihrem Kind besprochen werden. Wichtig sind ein klares Ziel, ein bestimmter Zeitraum und eine konkrete Belohnung. Manchmal macht es auch Sinn, kleinere Belohnungen in kürzeren Abständen anzuwenden. Oft bewährt hat sich das Versprechen, Jugendlichen den Führerschein zu finanzieren, wenn sie bis dahin nicht rauchen. Auch in Firmen gibt es schon ähnliche Modelle für die Förderung des Nichtrauchens. Wer mit 19 Jahren noch nicht angefangen hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr anfangen

Soll ich meinem Kind abschreckende Bilder und Filme zeigen, um es vom Rauchen abzuhalten?

Nein. Kleine Kinder werden damit verängstigt, bei Jugendlichen lautet die Devise ähnlich wie bei den Erwachsenen: „Mir wird das schon nicht passieren.“

Wie rede ich mit meinem Kind, wenn ich selbst rauche?

Manche Eltern meinen, sie können nichts gegen das Rauchen sagen, weil sie selbst Raucher sind. Doch rauchende Eltern sind Vorbilder und werden auch als solche von den Kindern wahrgenommen. Ihr Kind wird Sie relativ schnell mit Ihrem eigenen Rauchverhalten konfrontieren.

In solchen Situationen sollten Sie Folgendes beachten: Gehen Sie nicht gleich in eine Verteidigungshaltung. Stellen Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit dem Rauchen Ihrem Kind zur Verfügung. Reden Sie offen und ehrlich über das Thema, auch wenn Sie eigene Schwächen zugeben müssen. Seien Sie ein Vorbild und schränken Sie selbst Ihr Rauchverhalten ein.

Weitere Tipps und Informationen in der Broschüre „Mit Jugendlichen übers Rauchen reden“. Sie kann unter www.supro.at/downloads heruntergeladen werden.