Bei Nichtraucherschutz ist Umfeld gefordert

Gesund / 29.05.2015 • 11:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Immer mehr Angebote sollen den Qualm verbannen helfen.  Foto: VN
Immer mehr Angebote sollen den Qualm verbannen helfen. Foto: VN

Schule und Arbeitgeber können das Nichtrauchen unterstützen und fördern.

Feldkirch. Gute Beispiele dafür gibt es viele, wobei attraktive Belohnungen fürs Nichtrauchen in der Regel besser wirken als Strafen fürs Rauchen. Die Stadt Feldkirch beispielsweise belohnt ihre Lehrlinge schon seit über 15 Jahren mit einem finanziellen Bonus fürs Nichtrauchen. Um diese Prämie zu erhalten, ist eine bindende Zusage des Lehrlings zu Beginn eines jeden Lehrhalbjahres Voraussetzung. Dann wird jährlich eine Prämie von 150 Euro gutgeschrieben, die zum Ende der Lehrzeit ausbezahlt wird.

Unterschiedliche Erfolge

Wird der Auszubildende in der Lehrzeit dennoch zum Raucher, entfällt die Prämie zur Gänze. Die Erfolge waren über die Jahre unterschiedlich. „Für uns hat sich die Sache schon gelohnt, wenn wir einen Lehrling davon abhalten können, mit dem Rauchen anzufangen“, betont Lehrlingskoordinator Wolfgang Maier.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Firma Getzner Textil in Bürs. Vor mehr als zehn Jahren hat sie ein generelles Rauchverbot für Lehrlinge eingeführt. Der Lehrlingsverantwortlichen Perrine Palombo zufolge hat sich die Maßnahme bewährt, denn „jeder Einzelne weiß schon vor der Einstellung darüber Bescheid, und bisher gab es keinerlei Probleme damit.“ Doch das Unternehmen verbietet nicht nur, es fördert auch. Wenn die Auszubildenden in der Freizeit ebenfalls abstinent bleiben, bekommen sie monatlich 25 Euro gutgeschrieben. Auf diese Weise können die Lehrlinge bis zu 1000 Euro ansparen. Basis dieser Vereinbarung ist Vertrauen. „Wir setzen auf Ehrlichkeit. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das funktionieren kann. In den vergangenen fünf Jahren gab es höchstens zwei, die umgefallen sind. Die waren dann aber auch so ehrlich, es zuzugeben“, führt Palombo weiter aus. Nichtraucher zu stärken ist der wichtigste Ansatz. Genauso wichtig ist es aber auch, Raucher dabei zu unterstützen, rauchfrei zu werden.

Rauchfreie Schule

Auch die Schule ist aufgerufen, im Rahmen der Gesundheitsbildung Nichtrauchen zur Norm zu machen und die rauchfreie Schule zu fördern. „Studien haben gezeigt, dass der rauchfreien Schule eine nachhaltige Bedeutung zukommt. Schulen, an denen komplett auf das Rauchen verzichtet wurde, verzeichneten niedrigere Konsumentenzahlen“, zeigt SUPRO-Stellenleiter Andreas Prenn auf. In Österreich gilt laut Tabakgesetz ein ausnahmsloses Rauchverbot in allen Räumen, in denen Unterrichts- und Fortbildungsveranstaltungen oder sportliche Aktivitäten stattfinden. Dieses Verbot gilt für Schüler, Lehrer und alle Personen, die sich im Schulgebäude aufhalten. Über die Schulordnung gilt für Schüler ein prinzipielles Rauchverbot auf dem gesamten Schulareal. Schulen, die keine allgemein bildenden Pflichtschulen sind, können über den Schulgemeinschaftsausschuss das Rauchen im Außenbereich ab 16 Jahren erlauben. „Doch um eine rauchfreie Schule zu fördern, darf es dort keine Raucherplätze geben“, betont Prenn. Denn in diesen Bereichen würden sich oft die sozial anerkannten Schüler aufhalten, die als Vorbilder fungieren. „Durch die rauchfreie Schule wird Nichtrauchen als Normalzustand noch stärker in den Köpfen verankert. So ein Verbot muss jedoch ohne Ausnahmen gelten, das heißt auch für Lehrer, nicht unterrichtendes Personal und Besucher, ansonsten ist es wirkungslos“, erklärt Martin Onder von der SUPRO.

Positiver Nebeneffekt

Raucher, seien es Erwachsene oder Jugendliche, werden in vielen Fällen zwar versuchen, dieses Verbot zu umgehen und außerhalb des Schulgeländes rauchen. Aber: „Wenn sich Raucher die Mühe machen müssen, das Schulgelände zu verlassen, wird weniger geraucht. Auch Gelegenheitsraucher werden weniger konsumieren. Ein anderer Nebeneffekt ist, dass die Raucher so aus der Wahrnehmung der Schüler verschwinden“, führt Prenn aus. Schon früh präventive Maßnahmen zu setzen, sei jedoch ebenso wichtig. Die SUPRO bietet mit „klartext“, „plus“ und „Niko-Teen“ verschiedene Programme an, um Tabakprävention aktiv in der Schule oder im Lehrbetrieb anzugehen.

Wir setzen auf Ehrlichkeit. Es zeigt sich, es kann funktionieren.

Perrine Palombo