Bergspezialist Blatter bestätigt

Sport / 29.05.2015 • 22:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Schweizer FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Siegerpose. So sieht sich der 79-Jährige am liebsten. Foto: ap
Der Schweizer FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Siegerpose. So sieht sich der 79-Jährige am liebsten. Foto: ap

Joseph Blatter hat es geschafft. So groß der Skandal auch sein mag, der kleine Schweizer bleibt FIFA-Präsident.

Zürich. Die Zukunft des Welt-Fußballs ist 79 Jahre alt, maximal skandalerprobt und wird rund um den Globus entweder extrem verehrt oder extrem verachtet. Joseph S. Blatter steht in seiner fünften Amtszeit als FIFA-Chef aber vor riesigen Aufgaben. Der Konflikt mit der UEFA wird weitergehen. Weitere Korruptionsenthüllungen sind nicht ausgeschlossen. Im Hallenstadion von Zürich herrschte aber erstmal Erleichterung bei Blatter, das Ergebnis von 133:73 Stimmen gegen Prinz Ali bin al-Hussein hätte ihn erstmals in einen zweiten Wahlgang zwingen können. Doch der Jordanier verzichtete auf diese Formalie.

Lawine geschickt umkurvt

Schwierige Situationen hat Blatter in seinen 40 Jahren bei der FIFA en masse überstanden. Die Lage im Hallenstadion von Zürich war aber sogar für den vielleicht ausgebufftesten aller ausgebufften Sportfunktionäre keine leichte Aufgabe. Hartnäckig hielten sich Gerüchte, die einst komfortable Mehrheit könnte bröckeln.

Was machte Blatter? Er führte souverän durch den Kongress. Pries die Entwicklung im Frauen-Fußball, lobte den Einsatz der Schiedsrichter und forderte die Delegierten zum „Hand­shake for Peace“ auf. Das Übel suchte er wie immer jenseits seines Einflussbereichs. Er weiß, wie das Spiel funktioniert. „Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation“, sagte er zu den Korruptions-Enthüllungen rund um seine Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo.

Das Prinzip Blatter wurde schon in den Tagen zuvor brillant beschrieben. Der Mann aus dem Hochgebirgs-Kanton Wallis habe ein regional begründbares Talent. Er schaffe es immer, da zu stehen, „wo die Lawine nicht niedergeht“. Mit diesem Talent hat Blatter bislang alle Skandale überstanden. Schon seine Inthronisierung beim Wahlsieg 1998 gegen den damaligen UEFA-Chef Lennart Johansson hatte mehr als ein Geschmäckle. Umschläge mit viel Geld sollen in einem Pariser Hotel überreicht worden sein, was Blatter – natürlich – bestreitet. Von Bestechungszahlungen an seinen Vorgänger João Havelange, die im Zuge der Pleite des Ex-Vermarkters ISL bekannt wurden, muss er als FIFA-Generalsekretär zumindest Kenntnis gehabt haben. Als Mohammed bin Hammam 2011 zur Bedrohung wurde, stolperte dieser über publik gewordene Korruption in der Karibik. Der Sturz von Gegnern oder auch Wegbegleitern wurde von Blatter zumindest billigend in Kauf genommen. Auch sein einzig verbliebener Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein verschwindet erstmal von der Funktionärsbildfläche – mit blütenweißer Weste. In seiner eigenen asiatischen Konföderation bekam er kein Votum mehr für einen Sitz im Exekutivkomitee.

Reduzierter Wahlkampf

Wahlkampf hatte Blatter bis 48 Stunden vor der Kür gar nicht führen müssen. Bis es durch den Skandal doch noch mal eng wurde, hatte er lediglich einen einseitigen Brief mit der Überschrift „Together“ an alle 209 Mitgliedsverbände geschickt. Im Gegensatz zu seinem Herausforderer durfte er aber bei allen sechs Konföderations­treffen auftreten. Hochglanzbroschüren wie al-Hussein musste er nicht verteilen. Wer das System Blatter verstehen will, muss die europäische Brille abnehmen.

Afrikas skandalumwitterter Funktionär Jacques Anouma von der Elfenbeinküste sagte vor der Wahl: „Natürlich wählen wir Joseph Blatter, wir haben ihm so viel zu verdanken.“

Am Ende meiner Amtszeit werde ich die FIFA meinem Nachfolger übergeben, eine robuste FIFA.

Joseph S. Blatter

Fußball

FIFA-Präsidentenwahlen seit 1998

8. Juni 1998:

Blatter (111)* Lennart Johansson (Swe/80)

29. Mai 2002:

Blatter (139) Issa Hayatou (Cam/56)

31. Mai 2007:

Blatter (per Akklimation, kein Gegenkandidat)

1. Juni 2011:

Blatter (186 von 203/kein Gegendandidat)

29. Mai 2015**:

Blatter (133) Ali bin al-Hussein (Jor/73)

Legende: * Stimmen; ** Blatter verfehlte Zweidrittel-Mehrheit, al-Hussein zog seine Kandidatur vor dem zweiten Durchgang zurück.