Das Ende der Strategiearbeit?

Markt / 29.05.2015 • 22:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nationale und internationale Topmanager, unter anderem auch Zumtobel-CEO Ulrich Schumacher, trafen sich an der Wirtschaftsuniversität Wien erstmals zum Strategieforum, einem in Österreich einzigartigen Gedankenaustausch. Dabei diskutierte die Wirtschaftselite eine Frage intensiv: Wie kann in einem Umfeld, das von fundamentaler Unsicherheit geprägt ist, überhaupt eine nachhaltige Unternehmensstrategie definiert werden? Schließlich zeigte eine beim Strategieforum präsentierte Studie, dass nur die Hälfte der aktuellen Geschäftsmodelle die nächsten zehn Jahre überleben wird.

Macht dieser radikale und rasche Wandel Strategiearbeit – also das konsequente Herausarbeiten von Wettbewerbsvorteilen – letztlich sinnlos? Davon kann keine Rede sein. Aber Unternehmen müssen die Art, WIE sie ihre Strategiearbeit betreiben, grundlegend ändern: Im Zentrum darf nicht die Arbeit an dem einen Geschäftsmodell stehen, das sich in der Vergangenheit bewährt hat. Zusätzlich dazu müssen mit voller Kraft neue Mechaniken durchdacht und weiterentwickelt werden.

 

Strategiearbeit muss offener werden: Die Marschrichtung im kleinen Kreis hinter verschlossenen Türen festzulegen, ist von gestern. Um zukunftsfitte Strategien zu definieren, sollten Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Forschungseinrichtungen von Anfang an aktiv miteinbezogen werden. Strategiearbeit in Form von starren „Fünfjahresplänen“ ist passé – vielmehr muss diese laufend stattfinden. Dabei ist es entscheidend, eine ausgewogene Mischung aus fortgeschrittenen Analysemethoden und flexiblen Out-of-the-box-Herangehensweisen zu finden. Strategiearbeit, an deren Anfang bereits klar ist, was am Ende herauskommt, ist oft das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Firmen sollten sich auf Fragen einlassen, deren Antworten sie noch nicht kennen. Die Chefs brauchen jedenfalls mehr Mut zum überraschenden Ergebnis.

Ein Umsetzen dieser Forderungen ist bares Geld wert: Die Studie machte klar, dass Unternehmen, die bereits die Strategiearbeit der Zukunft betreiben, doppelt so oft zu den Top-Performern gehören wie die Hinterherhinkenden! In Zeiten fundamentaler Unsicherheit erhöht ein gutes „Wie“ bei der Strategiearbeit jedenfalls die Chance auf ein besseres „Was“ – und damit auf ein besseres Ergebnis.

Unternehmen sollten sich auf Fragen einlassen, deren Antworten sie noch nicht kennen.

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Johannes Schneider ist Senior Manager bei Contrast Management-Consulting.