Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Emsiana – eine feine Sache

Kultur / 29.05.2015 • 21:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Hohenems – das war mir immer ein irgendwie fremder Ort. Nichts, was mich da verbunden hätte – außer, dass hier zwei Handschriften des großen Nibelungenliedes gefunden wurden. Aber sonst über lange Zeit: Von Kultur kaum eine Spur, dafür viel Streit, auch um Kultur, viel politische Absurditäten. Ein spezieller Ort, der eigentlich nie an eine Stadt erinnert hat – bis man sich zur Stadt erklären ließ. Was die Sache nicht wirklich besser machte.

Wie gesagt, so war das lange Zeit für mich. Inzwischen hat sich da doch einiges geändert. Und ich fragte mich am Donnerstagabend, bei der Eröffnung der Emsiana, dem wunderbaren kleinen Kulturfestival, seit wann das so ist. Die Antwort war ziemlich einfach: Der Liederabend „Mein Hohen­ems“ von Michael Köhlmeier, vor etwa zwei Monaten, hat es mir deutlich gemacht. Es gibt ziemlich einiges hier, das man mögen kann, das spannend ist, das in Erstaunen versetzt. Vor allem aber sind es Menschen, die mir diesen Ort näher gebracht haben. Natürlich Michael Köhlmeier und auch seine Frau Monika Helfer (auch wenn sie nur eine „Zugewanderte“ ist), dann Eva Häfele mit ihrer engagierten Arbeit im Jüdischen Museum und darüber hinaus. Das Museum überhaupt und sein Leiter Hanno Loewy, der diese Institution international in eine Position gebracht hat, die unglaublich ist. Reinhold Bilgeri mit seiner „Frau Amann“ und Arnulf Häfele, als spitzer und spitzfindiger „politischer Rächer“. Diese Menschen, vielleicht auch noch wenige andere, machen für mich Hohenems aus. Und seit der Emsiana auch Markus Schadenbauer-Lacha, dem mit dieser feinen Huldigung an Hohenems etwas ganz Besonderes gelungen ist.

Über dieses Wochenende bringt die Emsiana spezielle Seiten dieser kleinen Stadt zum Klingen. Immer wieder spielt in verschiedenster Form die so lange verdrängte jüdische Vergangenheit eine Rolle, besonders aufgearbeitet etwa in der Installation und den Bildern von der aus Hohenems stammenden Jeannette Frei. Tone Fink hat ein Haus in der Harrachgasse bemalt und Monika Helfer, die bekannte Schriftstellerin, hat eine eigene „Wunderkammer“ errichtet, einen Altar, auf dem sie ihre bisher unbekannten kleinen Kunstwerke zeigt. „Wunderkammer“, das ist auch der Titel der „emsiana“ – und in Hohenems finden sich tatsächlich solche Kammern, die einen Besuch lohnen. Überraschungen sind garantiert.

Diese Menschen, vielleicht auch noch wenige andere, machen für mich Hohenems aus.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.