„Größtes Kapital sind die 230.000 Kunden“

Markt / 29.05.2015 • 19:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Christoph Intemann gründete vor 20 Jahren den Biber Umweltprodukte Versand. Heute zählt er 230.000 Kunden im deutschsprachigen Raum und bringt vier Mal im Jahr einen neuen Katalog heraus.  Fotos: VN/Paulitsch
Christoph Intemann gründete vor 20 Jahren den Biber Umweltprodukte Versand. Heute zählt er 230.000 Kunden im deutschsprachigen Raum und bringt vier Mal im Jahr einen neuen Katalog heraus. Fotos: VN/Paulitsch

Dornbirn. Biber Umweltprodukte hat sich als Versandhändler ganz der Nachhaltigkeit verschrieben. Alle 2400 Produkte im Katalog müssen gewissen Kriterien entsprechen. Im Interview spricht Geschäftsführer Christoph Intemann über die Gründungsidee, welche Rolle das Internet spielt und wo er seine Produkte findet.

Biber feiert heuer 20. Geburtstag. Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, ein eigenes Versandhaus zu gründen?

Intemann: Ursprünglich sollte ich eigentlich den elterlichen Betrieb übernehmen. Nur habe ich gedacht, dass es eine Herausforderung wäre, selber ein Unternehmen von null weg aufzubauen. Fein war dieser Weg nicht, aber für mich eine Erfüllung bzw. Berufung. In den 90er-Jahren gab es eine starke ökologische Bewegung. Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, dass wir immer mehr zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft werden. Der größte Feind eines guten Produkts war auf einmal nicht mehr das bessere Produkt, sondern das billigere. Dagegen wollte ich angehen und habe Produkte gesucht, die im umfassenden Sinn gut sind. Also eine sinnvolle Materialzusammensetzung und eine lange Haltbarkeit haben, ihre Funktion lange ausüben und deren Design nicht kurzfristigen Modetrends unterworfen ist.

Das Konzept hätte ja auch in einem klassischen Ladengeschäft funktioniert. Wieso letztlich der Verkauf über den Katalog?

Intemann: Ich habe in meiner früheren Tätigkeit eine ökologische Haushaltspflegeserie entwickelt, mit der wir in den Handel gegangen sind. Das Problem war aber, dass dafür zu wenig Kunden vorhanden waren. Ich habe dann gedacht, wenn ich an möglichst viele potenzielle Kunden kommen will, muss ich diese ganz gezielt ansprechen. Und das war über den Katalog leichter. So konnte ich mich an Menschen in den Städten wenden. Mit einem Geschäft hatte ich die Angst, dass das Einzugsgebiet zu klein ist.

Damals war das Internet nur eine Nebensache. Welche Rolle spielt es heute für einen klassischen Versandhandel?

Intemann: Mittlerweile machen wir 50 Prozent des Umsatzes via Internet. Genauso haben wir immer geschaut, einen Katalog als Vorzeigeobjekt zu haben, der sich unterscheidet von allem. Der ganze Katalog ist eine Vorarlberger Produktion, vom Fotografen bis hin zur Gestaltung. Da steckt sehr viel Leidenschaft dahinter.

Wie finden Sie die Produkte für Ihren Katalog?

Intemann: Früher wie heute durchwegs über Messen in Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweiz und England. Das sind rund 16 Messen im Jahr, auf denen wir ganz kleine Handwerksbetriebe suchen. Oft sind sie fast im ruinösen Zustand, weil sie den Massenmarkt nicht mehr finden und dadurch ausgelistet werden. Durch unseren Bekanntheitsgrad gibt es aber auch immer mehr Betriebe, die uns anrufen und ihre Produkte anbieten. Genauso kommen Kunden mit Ideen auf uns zu. Wir entwickeln auch eigene Ideen, also richtige Biber-Produkte, die exklusiv für uns hergestellt werden. Dafür braucht es natürlich eine gewisse Auflage. Die meisten Produkte im Katalog überleben sehr lange, wenn nicht gerade die Nachfrage extrem nachlässt.

Welche Märkte sind für Biber interessant? Und gibt es verschiedene Vorlieben in den verschiedenen Ländern?

Intemann: Wir haben eigentlich auf der ganzen Welt Kunden, aber ein Teil ist kaum relevant. Unsere Hauptmärkte sind Deutschland, Schweiz, Österreich und Südtirol. Dabei ist Deutschland der größte Markt. Insgesamt gehen 80 Prozent in den Export. Mittlerweile sind wir einer der wenigen österreichischen Versandhändler. Die Bestellungen in den Ländern unterscheiden sich aber kaum. Deshalb halten wir den Katalog für die einzelnen Länder nahezu identisch. Den Hauptumsatz machen wir in der Weihnachtszeit. Da kommen rund 1500 Bestellungen an einem Tag. Wir sind extrem lagerfähig, wir lagern 7000 Artikel, die abrufbereit sind. Der Kunde erwartet diese Lieferbereitschaft in zwei bis drei Tagen. Das war zu Beginn noch anders, da waren zwei Wochen locker möglich. Das größte Kapital sind aber die Kunden. 230.000 Menschen kaufen bei uns.

Dann war die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, letztlich die richtige?

Intemann: Im Nachhinein gesehen schon, aber nicht immer. Wenn man ein Unternehmen von null an aufbaut, gibt es Zeiten, die steinig und schwer sind und in denen man denkt, anders wäre es schon leichter gewesen. Wenn man ein Unternehmen übernimmt, ist es aber sicher nicht der leichtere Weg, auch wenn es im ersten Moment so scheint. Dort muss man sich beweisen gegenüber der Familie und den vorherigen Generationen. Der Vorteil, wenn man wie ich ein Unternehmen aufbaut, ist, dass man den Weg selbst vorgeben kann, weil es  niemanden vor einem gibt. Anstrengend ist es dennoch, aber ohne Fleiß kein Preis.

Mit einem klassischen Ladengeschäft hatte ich die Angst, dass das Einzugsgebiet zu klein ist.

asdf Foto: ???
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Rund 2400 Produkte befinden sich in jedem neuen Biber-Katalog.
Rund 2400 Produkte befinden sich in jedem neuen Biber-Katalog.

Kennzahlen

Biber Umweltprodukte Versand

» Gegründet: 1995

» Gründer, Geschäftsführer, Besitzer: Christoph Intemann

» Kunden: 230.000 hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz

» Umsatz: 10 Millionen Euro

Zur Person

Christoph Intemann

Geschäftsführender Gesellschafter Biber Umweltprodukte Versand GmbH, Dornbirn

Geboren: 3. 4. 1967

Ausbildung: nach der Pflichtschule Besuch der Handelsakademie Lustenau; anschließend Absolvierung eines Universitätslehrganges

Laufbahn: Eintritt ins elterliche Unternehmen, dort sieben Jahre im Export tätig; vor 20 Jahren Gründung des eigenen Unternehmens Biber Umweltprodukte Versand in Dornbirn.

Familie: verheiratet, drei Kinder