Großstadtflair und griechische Seele

Reise / 29.05.2015 • 10:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Seit den Olympischen Spielen ist Athen noch viel attraktiver geworden.

reise. (srt/Armin Herb) Der Wind weht frisch von allen Seiten. Der Lykavittos-Berg steht wie eine Insel im Häusermeer, das auf der einen Seite bis ans Meer reicht, auf der anderen bis an die Berge. Hier oben herrscht Ruhe, das laute Athen scheint ganz weit weg. Nur ein paar Koreanerinnen kichern um die Wette, drei Türken machen Selfies auf der Mauer und die alten Souvenirverkäufer dösen im Klappstuhl vor ihrem Krimskrams-Stand. Dreißig Bergwanderminuten vom Kolonakiplatz entfernt kann man richtig durchatmen. Und wer nicht gerne steil bergauf steigt, nimmt einfach die Standseilbahn. Gegen Abend füllt sich der Gipfel langsam. Ein romantischer Sonnenuntergang lockt die einen, die anderen ein Dinner im Restaurant hinter Panoramascheiben, hoch über den Lichtern der Großstadt.

Die Zeiten, als Athen wegen mörderischem Verkehr und furchtbar schlechter Luft verschrien war, gehören sowieso der Vergangenheit an. Okay, zu viele Autos zwängen sich immer noch durch die Metropole und die Luft ist eben die einer Metropole. Aber die U-Bahn und die Schaffung mehrerer Fußgängerzonen brachten spürbare Entlastung. So lässt sich Sehenswertes rings um die Akropolis angenehm zu Fuß ergründen, vor allem im Winter und Frühling. Und während die Mitteleuropäer mit Schmuddelwetter kämpfen, schlürft man in der Plaka seinen Kaffee gerne draußen in der Sonne.

Apropos draußen: Das Athener Leben findet bevorzugt auf der Straße statt. Und wenn es dann doch mal etwas zu frisch wird, behilft man sich in den Cafés mit Wärmedecken oder einem Plätzchen am Heizpilz. „Athen lebt im 24-Stunden-Rhythmus“, erzählt Stadt-Guide Yannis, der für „Athens Insiders“ Gäste durch die Innenstadt führt, bevorzugt am Abend. „Irgendein Lokal hat immer offen, und sei es eine Taverne in den mehr als hundert Jahre alten Hallen des Fisch- und Fleischmarktes. Dort essen lokale Nachtschwärmer gerne die Kuttelsuppe, die einen drohenden Kater abmildern soll“, plaudert Yannis aus dem Nähkästchen.

Athener lieben die Geselligkeit beim Essen, Trinken und Diskutieren, und das lassen sie sich durch die Finanzkrise nicht vermiesen. Nur sie konsumieren etwas weniger – zwangsläufig. Vor allem zwischen Omonia- und Monastiraki-Platz lassen sich die Menschen durch die vielfach autofreien Gassen treiben und setzen sich an Tische und Stühle vor den Tavernen, Bars und Cafés. Die Begleitmusik kommt von Straßenmusikanten. Einige geben ganze Violin- oder Cembalo-Konzerte im Freien, andere singen kitschige Volkslieder. Bei allem großstädtischen Flair hat sich Athen viel seiner griechischen Seele bewahrt, vor allem in Anafiotika zwischen Plaka und