Lustenau hat 800 leere Wohnungen

Vorarlberg / 29.05.2015 • 21:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Leere Wohnungen gibt es genug, sie sind nur nicht auf dem Markt. Dies soll sich ändern.

Lustenau. Der Vorarlberger Wohnungsmarkt ist angespannt, leistbarer Wohnraum Mangelware. 42.000 Vorarlberger Haushalte benötigen aktuell mehr als ein Viertel ihres Haushaltseinkommens für ihren Wohnraum, das sind 28 Prozent. Damit liegt das Land bundesweit im Spitzenfeld, der Österreichschnitt beträgt nur 19 Prozent. Dazu kommt, dass im Jahr 2013 15 Prozent aller Vorarlberger von Armut gefährdet waren, also rund 56.000 Personen. Diese müssen bis zu 50 Prozent ihres Geldes für Wohnraum ausgeben.

Auch an einer anderen Front werden freie Wohnungen benötigt: Anerkannte Flüchtlinge suchen derzeit Wohnraum, damit in den Asylheimen wieder Platz für Schutzsuchende frei wird. Hohe Nachfrage versus kleines Angebot heißt teure Mietpreise. Allerdings ist es nicht so einfach. Zwischen 5000 und 15.000 Wohnungen werden derzeit in Vorarlberg nicht genutzt, eine genaue Statistik gibt es nicht. In Lustenau wurde dies nun zum ersten Mal erhoben, mit einem erstaunlichen Ergebnis. Alleine in der Stickergemeinde stehen 830 Wohnungen leer.

Nicht alle angewiesen

Spezialist auf diesem Gebiet ist Michael Natter von der Caritas. Er schrieb darüber seine Masterarbeit und geht davon aus, dass alleine in den Ballungsgebieten zwei Prozent der Wohnungen leer stehen: „Das sind rund 2000 Stück. Ich habe festgestellt, dass es sich in Vorarlberg vor allem um Wohnungen aus dem direkten familiären Umfeld handelt“, führt Natter aus. In Gesprächen mit den Besitzern kam er zur Erkenntnis, dass es oft nur um Besitzerhalt gehe. „Einige fühlen sich in der Vermieterrolle überfordert, anderen fehlt der Anreiz, überhaupt etwas tun zu wollen.“

Das komplizierte Mietrechtsgesetz würde sein Übriges dazu beitragen: „Wer nicht auf den finanziellen Ertrag angewiesen ist, lässt in Vorarlberg den freien Wohnraum leer.“ Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) warnt: „Es kommt derzeit im Ballungsraum Rheintal zu einer gefährlichen Mischung. Wir haben wenig Wohnraum und viele Menschen mit Bedarf. Dazu kommt die humanitäre Pflicht einer Gemeinde, einen Beitrag zu leisten, dass Kriegsflüchtlinge nicht in Zelten schlafen müssen.“ Um den leer stehenden Wohnraum nun zu aktivieren, wird in Lustenau eine Taskforce eingerichtet.

Sorglospaket anbieten

Diese soll nun ein Konzept erarbeiten, das an Projekten angelehnt wird, die sich international bewährt haben. „Das Erfolgsrezept ist es, wenn Kommunen ein aktives Grundstücks-, Gebäude- und Leerstandsmanagement betreiben“, erläutert Natter. Heißt: Eine Gesellschaft, Genossenschaft oder gemeindenaher Zusammenschluss sonstiger Art soll einem Wohnungsbesitzer ein „Rund-um-Sorglospaket“ bieten, wie es Fischer formuliert. Also darauf achten, dass die Miete pünktlich bezahlt und die Wohnung betreut wird, was dem Vermieter wiederum einen günstigeren Mietzins wert sein sollte.“ So werden auch berechtigte und unberechtigte Ängste der Besitzer genommen und Wohnraum wird günstiger“, ist sich Fischer sicher.