So lässt sich Vielfalt als Erlebnis wahrnehmen

Kultur / 29.05.2015 • 21:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die musikalische Eröffnung der Emsiana lag in den Händen von Markus Pferscher.  Foto: Emsiana/Mathis
Die musikalische Eröffnung der Emsiana lag in den Händen von Markus Pferscher. Foto: Emsiana/Mathis

Mit einem bischöflichen Blick in die Wunderkammern des Zusammenlebens startete die Emsiana.

Hohenems. (VN) Wer wollte, der konnte bei der Eröffnung des Emsiana-Festivals im Rittersaal des Hohenemser Palastes richtiggehend zum Zeitreisenden werden. Denn von Klassik und Romantik bis in die direkte Gegenwart waren so gut wie alle Epochen und Zeiten vertreten. Das begann mit der tonart-Sinfonietta, die in bewährter Manier für den musikalischen Part verantwortlich zeichnete. Denn auch das ist eine Spezialität der Emsi­ana: Eine Festival-Eröffnung ist niemals „nur“ Eröffnung, sondern immer auch Erlebnis – und auch Bühne für die Unterrichtenden und Lernenden an der Musikschule tonart, die ja auch in Hohenems beheimatet ist.

Historischer Streifzug

So präsentierten sich heuer, neben Musikschuldirektor Markus Pferscher, der die Sinfonietta sicher, präzise und mit der nötigen Dynamik führte, die Bregenzer Harfinistin Julia Scheier und der aus Teheran stammende Flötist Hossein Samieian. Beide unterrichten sie an der Musikschule, beide sind sie versierte Meister ihres Fachs, und das durfte man hören und erleben. Man folgte ihnen gerne auf ihrem Streifzug von der Gegenwart – mit Gilbert Kliens fröhlichem Bravourmarsch „Unter der Burg“ – durch die Klassik und Romantik, entdeckte mit ihnen die Musik eines Claude Debussy, bei dem sich die Harfe auf einen bezaubernden Dialog mit dem Orchester einließ, oder eines Carl Philipp Emanuel Bachs. Der lag Hossein Samieian übrigens unüberhörbar perfekt und so ließ der musikalische Part dieses Abends nur einen einzigen Schluss zu: Dass man nämlich soeben einen ersten akustischen Blick in die „Wunderkammern“ – so das Motto der Emsiana 2015 – geworfen hatte.

Und wenn ein Festival sich die Wunder bereits in den Titel schreibt, dann wundert es vielleicht auch nicht, dass ein Kirchenmann zur Eröffnungsrede antritt. Bischof Benno Elbs stieß die Türe zu vergangenen und auch sehr gegenwärtigen Wunderkammern auf. Das begann mit einem Blick zurück, auf Hohenems, seine jüdische Gemeinde, seine Grafen und seine Priester, die nicht ungern zu Erzbischöfen von Salzburg avancierten. Dass dabei weit seltener nach der Macht der Wunder als nach dem Wunder der Macht gestrebt wurde, stellte Bischof Elbs auch klar, bevor er ein gegenwärtiges Bild des Zusammenlebens der verschiedenen Kulturen und Religionen im Hohenems von heute nachzeichnete. Dabei betonte er vor allem die vielen engagierten Initiativen des gegenseitigen Kennenlernens, wie etwa die Gebetsraum- und die Friedhofswanderungen. „Ich sehe hier Hohenems durchaus auch ein wenig als einen Spiegel oder eine Miniatur unserer Welt.“ Vom Kleinen ins Große und von Hohenems also in die Welt und zum globaler gesehenen Zusammenleben der Religionen.

Missbrauchte Religionen

Dafür legte der Bischof einen Teppich an Vernetzungen, Verflechtungen und Verknotungen aus, die Klischees entlarvten und Vorurteile vorführten, die auf der anderen Seite aber auch zeigten, wie sehr Religion auch missbraucht werden kann für blinden Fanatismus und brutalen Radikalismus. Provokant stellte sich Bischof Benno Elbs auch dem Bild einer Welt ohne Religionen und überließ die Frage nach der Toleranzfähigkeit dem Eröffnungspublikum.

Über „Wunderkammern“ bildender Künstler wurde bereits berichtet. So macht etwa Tone Fink die Geschichte eines Hauses auf dessen Fassade sichtbar.

Ich sehe Hohenems auch als einen Spiegel unserer Welt.

Bischof Benno Elbs
Tone Fink macht die Geschichte eines Hauses sichtbar.
Tone Fink macht die Geschichte eines Hauses sichtbar.
Im Stadtraum werden Geschichten von Menschen erzählt.
Im Stadtraum werden Geschichten von Menschen erzählt.

Um 14 und 17 Uhr finden am 30. Mai Führungen durch das Jüdische Viertel und die Ausstellungen statt. Die Emsiana dauert bis 31. Mai:
www.emsiana.at