Syrer für neues Leben in Österreich ausgewählt

Politik / 29.05.2015 • 22:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Besonders schutzbedürftig: syrisches Kind im Libanon. AP
Besonders schutzbedürftig: syrisches Kind im Libanon. AP

Humanitäres Aufnahmeprogramm zur Hälfte erfüllt. Vorarlberg erwartet fünf Familien.

Wien. 2010 lebten noch 20,96 Millionen Menschen in Syrien. Heute sind es rund vier Millionen weniger. Sie flüchteten vor den Bürgerkriegsgräueln ins Ausland. Die meisten davon sind in den Nachbarländern Türkei, Libanon, Irak und Jordanien gestrandet. Fünf Jahre dauert der Krieg nun an, die Hoffnung auf ein Ende schwindet weiter. Traumatisierte Familien, alte Menschen und Kranke fristen in Camps oder gar unbetreut ein trostloses Dasein. Sie leben unter menschenunwürdigen Zuständen, viele treibt es daher auf illegalem und lebensbedrohlichem Weg in Industrieländer. Dort hoffen sie auf einen Neuanfang. 1500 Syrern soll dies in Österreich ermöglicht werden. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) versprach, das in zwei Etappen zu erfüllen. Über das sogenannte „Resettlement“-Programm erhalten sie in der Republik den sofortigen Asylstatus. Einerseits hilft das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) bei der Auswahl von 850 besonders schutzbedürftigen Menschen, andererseits koordiniert das Innenressort gemeinsam mit der Erzdiözese Wien die Familienzusammenführung mit etwa 650 Flüchtlingen. Das Resettlement-Verfahren wurde derzeit für insgesamt 776 Personen abgeschlossen. Diese seien auch schon in Österreich, heißt es aus dem Ministerium. Erst am Donnerstag landeten 25 weitere syrische Flüchtlinge in Wien. Bis spätestens Ende dieses Jahres soll das geplante Kontingent von insgesamt 1500 Schutzsuchenden erfüllt sein.

Sofortiger Asylstatus

Der Unterschied zu den klassischen Asylverfahren liegt darin, dass die Fälle bereits im Vorfeld geprüft werden. Der Flüchtling bekommt in den Tagen nach der Ankunft in Österreich sofort den Asylstatus erteilt. Das Innenressort koordiniert die Abwicklung. Bei ihren ersten Schritten in Österreich werden die Schutzsuchenden von der Caritas, der Diakonie und dem Roten Kreuz unterstützt. „Wir legen besonderes Augenmerk auf die Alltagsintegration – von der Sprache über die Wohnung bis hin zur Arbeitssuche“, erklärt Michael Natter von der Caritas Vorarlberg. Er kündigt an, dass insgesamt fünf Familien zwischen Juli und November über das Resettlement-Programm im Land aufgenommen werden. Die Hilfsorganisationen haben im Vorfeld die Verteilung der Resettlement-Flüchtlinge besprochen.

Die Aufnahme dieser 1500 syrischen Schutzsuchenden ist in Österreich bis dato eine einmalige Aktion in zwei Etappen. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat hofft nun darauf, dass künftig jährliche Kontingente für die Neuansiedlung von besonders Schutzbedürftigen geschaffen werden, wie eine Sprecherin erklärt. „Das wäre durchaus sinnvoll, vor allem auf EU-Ebene“, heißt es auf VN-Anfrage im Innenministerium: „Es hat Potenzial, wenn man bedenkt, wie viele Länder in Europa relativ wenige Flüchtlinge aufnehmen.“ Auch Natter kann der Forderung einiges abgewinnen. Viele Schutzsuchende würden somit nicht mehr auf gefährliche Fluchtrouten gezwungen und müssten außerdem nicht jahrelang in Lagern unter menschenunwürdigen Zuständen ausharren.

Stichwort. Resettlement syrischer Flüchtlinge

» Resettlement bedeutet die dauerhafte Neuansiedlung von Flüchtlingen in einem sicheren Aufnahmeland. Das Programm wurde für Flüchtlinge ins Leben gerufen, die fernab ihrer Heimat in prekären Verhältnissen ohne Chance auf eine sichere Existenz und Zukunft ausharren müssen. Resettlement wird von Staaten in Zusammenarbeit mit dem UNHCR durchgeführt. Das Programm richtet sich an besonders schutzbedürftige Flüchtlinge: gefährdete Frauen und Mädchen,  ältere Flüchtlinge, Überlebende von Gewalt und Folter, Flüchtlinge mit medizinischen Bedürfnissen oder Behinderungen, etc.

» Im Zuge des Resettlement-Programms in Österreich werden insgesamt 1500 Flüchtlinge aufgenommen. 850 werden in Zusammenarbeit mit dem UNHCR kommen. Die Flüchtlinge werden kontaktiert und können sich nicht bewerben. 650 Schutzsuchende erhalten über die Familienzusammenführung sofortigen Asylstatus, für einen Teil des Kontingents waren hier Bewerbungen möglich. 776 von den 1500 geplanten Flüchtlingen sind bereits in Österreich.