Worte des Mitfühlens

Kultur / 29.05.2015 • 18:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Autorin Carolina Schutti (geboren 1976 in Innsbruck) wurde heuer der EU-Literaturpreis verliehen.  Foto: APA
Der Autorin Carolina Schutti (geboren 1976 in Innsbruck) wurde heuer der EU-Literaturpreis verliehen. Foto: APA

Ähnlich wie Fräulein Smilla für den Schnee hat die Österreicherin Carolina Schutti Gespür für poetische Bilder.

Novelle. (bs) Nach ihren Romanen „Wer getragen wird, braucht keine Schuhe“ und „Einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein“ erzählt Carolina Schutti in ihrer dichten Novelle „Eulen fliegen lautlos“ erneut von den Unwägbarkeiten literarischen Erzählens, wobei man sich als Leser an eben jenen Bildern, voll von Poesie, behutsam anlehnen kann.

Allein die sprechenden Titel von Schuttis Büchern geben eine Literatur vor, die ganz nah bei ihren Figuren ist, voll Sympathie und dem nötigen Respekt, die ein Mitfühlen zulassen. Für ihre Romane wurde Carolina Schutti zuletzt mit dem Literaturpreis der Europäischen

Union ausgezeichnet.

In „Eulen fliegen lautlos“ fliegen diese Herzen des Mitfühlens einem Jungen namens Jakob zu, der in der schmalen Novelle als Kind einfacher Eltern geschildert wird, am Dorf lebt, und von der Natur mehr zu erzählen weiß als vom Leben. Als moderner Kaspar Hauser bleibt er stumm gegenüber der Welt. Nur der Briefträger und die Mutter verstehen das Kind.
So gehen die Tage hin, im retardierenden Memorieren der elterlichen Regeln, die Jakob befolgen will; er ist ein braves Kind, der mit Innigkeit an der Mutter hängt.

Man hofft

„Eulen fliegen lautlos“ lotet Möglichkeiten aus, die solch einer Existenz in unserer Zeit zugestanden wird. In traurigen, manchmal sich wiederholenden, immer aber literarisch zutiefst poetischen Bildern, die den Handelnden eine entrückte Aura, eine Art Patina des Weltschmerzes verpasst, die in anderen Büchern gestelzt wirken würde; Carolina Schutti glaubt man aber die Sicht auf die Welt, die sie ihren Figuren mitgibt, man hofft, Jakob findet seinen Weg.

Carolina Schutti: „Eulen fliegen lautlos“, Edition Laurin, 58 Seiten