„Bin Gemeindechef auf Zeit“

Vorarlberg / 31.05.2015 • 18:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Von meinem Gehalt als Bürgermeister bleiben mir monatlich rund 2800 Euro netto“: Kurt Krottenhammer. Fotos: Stiplovsek
„Von meinem Gehalt als Bürgermeister bleiben mir monatlich rund 2800 Euro netto“: Kurt Krottenhammer. Fotos: Stiplovsek

Übergangsbürgermeister: In dieser Rolle sieht sich Kurt Krottenhammer in Langenegg.

Langenegg. Sie gilt als regelrechte Zuzugsgemeinde; den Begriff Abwanderung scheint man im dortigen Rathaus nicht zu kennen. Die Rede ist von der e5-Gemeinde Langenegg. Die Kommune weist aber nicht nur eine gute Wohnqualität auf. Die Gemeinde zählt nämlich rund 1000 Seelen und hat 550 Arbeitsplätze zu bieten.

Im Rathaus treffen fünfzehn über eine Mehrheitswahl gewählte Gemeindemandatare mit Bürgermeister Kurt Krottenhammer Entscheidungen.

Herr Krottenhammer, Sie sehen sich als Übergangsbürgermeister. Wie ist das zu verstehen?

Krottenhammer: Der Grund dafür ist rasch erklärt: einerseits das Faktum, dass wesentlich jüngere Kandidaten bei der Wahl stimmenmäßig vor mir gereiht waren und andererseits mein hohes Alter. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich das Amt nach drei bis fünf Jahren an ein jüngere Person übergeben möchte.

Was kann Sie als Bürgermeister aus der Ruhe bringen oder Ihnen auf die Nerven gehen?

Krottenhammer: Wenn es Leute gibt, die an allem Kritik üben, aber nicht dazu bereit sind, mit einem Beitrag zur Verbesserung von Situationen beizutragen.

Darf man in der Funktion eines Gemeindechefs auch einmal Fehler eingestehen?

Krottenhammer: Ja, sehr wohl. Auch ein Bürgermeister ist nur ein Mensch und nicht unfehlbar. Ich habe schon einen längeren Lebensabschnitt hinter mir und habe immer wieder mal Fehler gemacht. Das liegt in der Natur der Sache.

Sollte Ihnen einmal das Smartphone abhanden kommen, wäre das für Ihre Terminplanung ein Desaster?

Krottenhammer: Nachdem das Smartphone für mich keine Lebensnotwendigkeit darstellt, führe ich parallel zum digitalen auch einen analogen Kalender und trage dort ebenso meine Termine ein.

Welche Themen werden Sie als neuer Bürgermeister zuerst angehen?

Krottenhammer: Wir haben momentan zwei wichtige Themen am Laufen. Und zwar den kompletten Neubau des Gemeinde- und Schulsaales sowie den Um- und Zubau zur Volksschule. Es geht dabei um eine Investition in der Größenordnung von rund fünf Millionen Euro. Gleichzeitig sind wir auch damit beschäftigt, dem Thema Altwerden in Langenegg unter dem Titel Wohnen Plus Gewicht zu verleihen.

Ist der soziale Wohnbau in Langenegg ein Thema, oder gibt es ein konkretes Projekt?

Krottenhammer: Wir haben in Langenegg bereits ein Gebäude mit zwölf Wohneinheiten. Derzeit sind wir dabei, ein geeignetes Grundstück für den Bau weiterer Wohnungen zu suchen.

Wie sieht es mit den Finanzen in Ihrer Gemeinde aus?
Haben Sie noch frei verfügbare Mittel?

Krottenhammer: Ja, wir sind in der glücklichen Lage, noch frei verfügbare Mittel zu besitzen. Ich würde unsere Finanzen als gesund bezeichnen. Wir können vor diesem erfreulichen Hintergrund auch weitere Projekte in Sachen Ausbau der Infrastruktur in Angriff nehmen.

Wo sehen Sie Langenegg in zehn Jahren im Hinblick auf die Entwicklung als Kommune?

Krottenhammer: Als nach wie vor offene Kommune. Vor allem im Hinblick auf den Zuzug von jungen Familien. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir auch als Wirtschaftsstandort weiterhin nichts an Attraktivität einbüßen.

Wie viel bleibt Ihnen von Ihrem Gehalt netto pro Monat?

Krottenhammer: Mir bleiben rund 2800 Euro netto im Monat.

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: bei uns gilt das Mehrheitwahlrecht, das ist gut so

Freunderlwirtschaft: führt in der Politik zur Verdrossenheit

Lebensglück: Gesundheit, Familie und gute Freunde

Politikverdrossenheit: entsteht durch Parteienstreit in nicht zielführenden Diskussionen

Parteifreund: die Kommunalpolitik bei uns ist parteifrei und zielorientiert

Freizeit: das Aufladen des Akkus ist sehr wichtig

Erstwähler: sind für die Zukunftsgestaltung ein wichtiges Potenzial

Lebensqualität: in einer intakten Naturlandschaft sowie Partnerschaft und in sehr guter Nachbarschaft leben zu dürfen

Netzwerke: sind für mich nicht so wichtig

Lebensabend: in meinem gewohnten Umfeld in Langeneggs schöner Natur gesund alt werden

Langenegg

» Gemeindegröße: 10,5 km2

» Einwohner: 1125

» Jahresbudget: 7,9 Millionen,
ohne Projekte drei Millionen

» Pro-Kopf-Verschuldung: 800 Euro

» Betriebe: 45

» Beschäftigte: 550

Zur Person

Kurt Krottenhammer

Geboren: 28. August 1949

Familie: in Partnerschaft

Erlernter Beruf: Textilkaufmann

Hobbys: Wandern, Natur

Motto: Geht nicht, gibt’s nicht!