Blatters Feldzug immer skurriler

Sport / 31.05.2015 • 23:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Joseph S. Blatter sieht sich weiterhin im Recht. Foto: Reuters
Joseph S. Blatter sieht sich weiterhin im Recht. Foto: Reuters

FIFA-Boss geht nach Wiederwahl in die Offensive. Eine Strategie für Wandel in der FIFA ist nicht erkennbar.

Zürich. Nach wilden Tiraden gegen die USA und die UEFA hat FIFA-Präsident Joseph S. Blatter den Verbal-Feldzug gegen seine Widersacher fortgesetzt. Seinen Freund Franz Beckenbauer benutzte er dabei als vermeintlichen Kronzeugen für einen Frontalangriff gegen die Spitze des deutschen Fußballs. „Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte“, sagte Blatter in einem Interview. Beckenbauer und der damit massiv angegangene DFB-Chef Wolfgang Niersbach dementierten den kompromittierenden Vorwurf umgehend.

Shoppen als Ausgleich

Eine Strategie für den Weg aus der größten Krise des Weltverbandes nach dem jüngsten Korruptionsskandal gab der 79-Jährige nicht vor. Schon bei der Pressekonferenz am Samstag hatte sich Blatter zu Beginn seiner fünften Amtszeit mehr mit der Verunglimpfung der Konkurrenten aufgehalten. Mit Verschwörungstheorien und drohenden Worten attackierte er die US-Justizbehörden sowie die Europäische Fußball-Union um Michel Platini und Niersbach. Vor der Weltpresse legte er einen dünnhäutigen Auftritt hin. Ob er Sorge habe, angesichts des Korruptionssumpfs irgendwann selbst hinter Gitter zu müssen? „Verhaftet, wofür? Nächste Frage“, beschied Blatter und verabschiedete sich nach den wohl aufwühlendsten Tagen seiner Dauerherrschaft in ein freies Wochenende mit der Familie. „Er wird jetzt mit uns und Selena shoppen gehen“, berichtete Corinne Blatter Andenmatten über die Freizeitgestaltung mit ihrem Vater und ihrer Tochter.

Die nächsten offiziellen Termine des FIFA-Chefs sollen erst zu Wochenbeginn koordiniert werden. Sicher ist allerdings, dass er nicht zum Eröffnungsspiel der Frauen-WM am Samstag nach Kanada fliegen wird. Erst zum Finale am 5. Juli will er in Vancouver dabei sein. Ein pikanter Termin, denn die USA haben mit ihrem nördlichen Nachbarland eine enge Justiz-Kooperation. Eventuell könnte Blatter zu den Vorgängen um seine in Zürich festgenommenen Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo befragt werden.

Im Gefühl der Genugtuung über den Wahlerfolg legte sich der Schweizer sofort mit seinen Lieblingsfeinden an. Obwohl die Europäer bei der Sitzung des Exekutivkomitees mit der Bestätigung der WM-Startplätze für 2018 und 2022 zumindest keine fußballpolitische Niederlage hinnehmen mussten, spitzt sich der Konflikt weiter zu. „Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht“, sagte Blatter zu den direkten Rücktrittsforderungen von Platini. Der Vorstoß Platinis und die Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien „kein Zufall“, vermutete Blatter. Zudem wollte er einen Zusammenhang zwischen seinem Herausforderer, dem Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, und den USA erkennen. „Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut“, sagte Blatter.

Ich verspüre den Hass, der von der UEFA als Organisation kommt.

Joseph S. Blatter