Die nächste Gala in Götzis von Theisen-Eaton

Sport / 31.05.2015 • 23:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Niederländerin Nadine Broersen verbesserte sich am zweiten Tag von Rang elf auf Platz drei.
Die Niederländerin Nadine Broersen verbesserte sich am zweiten Tag von Rang elf auf Platz drei.

Die Kanadierin triumphierte mit persönlichem Rekord zum zweiten Mal beim Hypomeeting.

Götzis. 6808 Punkte standen am Ende des Siebenkampfs bei Brianne Theisen-Eaton zu Buche. Damit durfte die 26-jährige Kanadierin über den Gesamtsieg, Jahresweltbestleistung, persönliche Bestleistung und einen nationalen Rekord jubeln. Sie verwies ihre erste Verfolgerin, Carolin Schäfer, um 261 Zähler auf Rang zwei. Dritte wurde Nadine Broersen mit 277 Punkten Rückstand.

Bereits nach dem ersten Tag bahnte sich der Erfolg an, denn die Gattin von Zehnkampf-Weltrekordhalter und Olympiasieger Ashton Eaton verzeichnete mit 4031 Punkten persönlichen Rekord nach vier Bewerben. Dieser lag bisher bei 3939 Punkten, erreicht 2014 in Glasgow bei den Commonwealth Games. Bereits ab dem zweiten Bewerb, dem Hochsprung, lag Theisen-Eaton ganz vorne. Allerdings betrug ihr Vorsprung nur 36 Punkte auf die Zweitplatzierte Dafne Schippers, gefolgt von Olympiasiegerin 2012, Jessica Ennis-Hill, die 103 Punkte zurück lag. Nach dem Weitsprung (6,72 m) setzte sich die spätere Siegerin klar ab. Mit dem Speerwurf (42,96 m) zeigte sie sich jedoch nicht ganz zufrieden. „Hier wäre mehr möglich gewesen“, meinte Trainer Harry Marra. Er sagte vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf bereits 6800 Punkte voraus.

„Ich kann es kaum glauben, dass ich so viele Punkte erzielt habe, das hätte ich nicht erwartet. Ich habe mit 6700 spekuliert. Aber alles lief gut. Vielleicht liegt es daran, dass ich nun älter bin und auch schon mehr Erfahrung habe“, resümierte Theisen-Eaton, die auch 2013 in Götzis siegreich gewesen war und 2014 Zweite. Zunächst galt es für sie aber, die verletzungsbedingte Absage ihres Ehemanns zu verarbeiten. „Wir wollten gemeinsam starten. Für einen Sportler ist es schwer, nur als Zuschauer dabei zu sein. Dass Ashton vor Ort war, hat mich aber zusätzlich gepusht, und er gab mir wertvolle Tipps.“ Als persönliches Highlight bezeichnete sie den Weitsprung, wo sie mit 6,72 m neue Bestleistung sprang und den zweiten Tagesrang mit einem Zentimeter hinter Claudia Rath erreichte. „Wir haben uns gegenseitig gepusht. Genau das macht einen Wettkampf aus“, betonte Theisen-Eaton. Hinzu kamen persönliche Rekorde im Hochsprung und über 200 m, wo sie ebenfalls jeweils TagesZweite war. Insgesamt nimmt sie 15.350 Euro an Prämien mit nach Hause.

Aufholjagd von Broersen

Überglücklich zeigte sich die Zweitplatzierte Schäfer. „Damit habe ich die WM-Norm geschafft und das ist perfekt. Diese Platzierung bedeutet mir wahnsinnig viel. Bei diesem hochkarätigen Meeting in den Top Drei zu sein ist unfassbar.“ Nach dem Bewerb flossen Tränen. Die EM-Vierte hat gut drei Monate nach dem Tod ihres Lebensgefährten, des Bundesliga-Volleyballers Dennis Hefter, in die Weltklasse zurückgefunden. „Meine Eltern und die Familie von meinem Freund waren vor Ort, das hat mir viel Motivation gegeben.“ Die 23-Jährige verzeichnete Bestleistungen über 100 m Hürden, 200 und 800 m.

Das Podest komplettierte Broersen, die nach dem ersten Tag mit 3765 Punkten auf Rang elf liegend kaum mehr Hoffnung auf ein gutes Resultat hatte. „Am zweiten Tag lief es aber richtig gut, vor allem mit dem Sieg im Speerwurf. Außerdem bin ich mit der Punkteanzahl von 6531 sehr zufrieden. Die Atmosphäre war super, das Publikum klatscht für jeden. Götzis ist das schönste Meeting der Welt“, lobte die Niederländerin. Ennis-Hill erreichte bei ihrem ersten Wettkampf nach der Babypause Rang vier. Am Ende fehlten nur elf Punkte auf das Podest. Damit sicherte sie sich das WM- und Olympialimit. Fünfte und zum „Rookie of the Year“ ausgezeichnet wurde die erst 20-jährige Nadine Visser (Ned), die mit fünf Bestleistungen zum persönlichen Rekordergebnis von 6467 Punkten kam. Damit steigerte sie sich um 357 Punkte, erreicht im Vorjahr in Götzis.

Schippers gab auf

Von 29 gestarteten Athletinnen gaben sieben auf, u. a. die Europameisterin über 200 Meter, Dafne Schippers. Die Niederländerin war bis vor dem abschließenden 800-m-Lauf auf Rang zwei gelegen. Ihr Rückstand auf Theisen-Eaton betrug 144 Punkte. Aufgrund von Knieproblemen konnte sie nicht mehr antreten. „Es fing nach dem Hochsprung an und wurde immer schlimmer. Am Ende zuschauen zu müssen ist bitter“, bedauerte Schippers. Sie hatte im Kugelstoßen eine neue persönliche Bestleistung mit 14,66 Metern erzielt, obwohl sie zuvor von einer Wespe im Rückenbereich gestochen wurde. Sie sicherte sich auch den Hypo-Cash über 200 Meter in 22,39 Sekunden.

Die einzige österreichische Teilnehmerin, Vanessa Preiner, verzeichnete Platz 22. Die 20-jährige Oberösterreicherin lief über 110 Meter Hürden persönliche Bestzeit und verzeichnete mit 5712 Punkten einen persönlichen Rekord. Die besten Platzierungen erreichte sie als 13. im Speerwurf und über 800 Meter. Insgesamt wurden bei den Frauen Prämien von 63.800 Euro ausgeschüttet.

Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill wurde nach drei Götzis-Siegen beim ersten Wettkampf nach ihrer Babypause Vierte.
Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill wurde nach drei Götzis-Siegen beim ersten Wettkampf nach ihrer Babypause Vierte.
Dafne Schippers gab auf Rang zwei liegend vor dem 800-m-Lauf auf.
Dafne Schippers gab auf Rang zwei liegend vor dem 800-m-Lauf auf.