Die USA und der FIFA-Skandal

Politik / 31.05.2015 • 22:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Lehrt uns die Geschichte des aktuellen FIFA-Skandals irgendetwas? Zuerst: Korruption ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Und die erinnert uns an die oft betretene Grauzone von Belohnungen für Wohlverhalten. Aber sobald Bestechungen zum Erlangen ungerechtfertigter Vorteile erfolgen, sind in der Vorstellungswelt der meisten Menschen die Grenzen zur allgemeinen Akzeptanz klar überschritten. Und deshalb gibt es zum Erzwingen der Einhaltung moralverträglicher Grenzen gesetzliche Verbotsregelungen. Die anerkannt strengsten Anti-Korruptionsgesetze mit drakonischen Strafandrohungen gelten in den Vereinigten Staaten und neuerdings auch in der Volksrepublik China.

Da ist es kein Wunder, dass der „FIFA-Korruptionsskandal“ von US-Behörden an die große Glocke gehängt worden ist. Wem das nicht passt, kann Verschwörungstheorien anhängen und politische Motivationen der US-Strafverfolger vermuten. Etwa, dass das Vorgehen „der Amerikaner“ politisch motiviert sei; dass „Washington“ die Ausrichtung der nächsten Fußballweltmeisterschaft in Russland nach Kalter-Kriegs-Art zu torpedieren trachtet; oder dass der FIFA-Verein mit Holzhammermethoden US-höriger gemacht werden soll.

Weitere unbeweisbare und obskure Verdächtigungen werden mit Sicherheit folgen. Eine weit größere Aussagekraft haben die von den US-Behörden mit Indizienbelegen für atemberaubendes Fehlverhalten dokumentierten Beschuldigungen. Da ist erst einmal müßig zu fragen, warum US-Behörden den Skandal öffentlich machten. Einer späteren Klärung wäre es wert, zu erkunden, warum nicht die Behörden anderer geschädigter Staaten aktiv geworden sind. Zuerst ist freilich Folgendes festzuhalten: Wenn die Vorwürfe, zu denen ja noch weitere kommen können, zweifelsfrei als wahrhaftig nachgewiesen werden, dann steht fest: Bei der FIFA gab es mafiöse Strukturen und unentschuldbares kriminelles Verhalten, das abgestellt gehört und geahndet werden muss.

Weitere unbeweisbare und obskure Verdächtigungen werden mit Sicherheit folgen.

Peter W. Schroeder, Washington