Ein deutsches Trio sprang im Mösle in die Bresche

Sport / 31.05.2015 • 23:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kai Kazmirek entschied am Ende den Dreikampf gegen seine TeamkollegenMichael Schrader und Rico Freimuth für sich.
Kai Kazmirek entschied am Ende den Dreikampf gegen seine TeamkollegenMichael Schrader und Rico Freimuth für sich.

Kai Kazmirek krönte sich in Götzis vor Michael Schrader und Willem Coertzen zum Zehnkampfkönig.

Götzis. „Will denn heuer keiner den Zehnkampf gewinnen?“ Durch das Aus von Ashton Eaton wegen einer Rückenverletzung, dem Nuller im Kugelstoßen von Damian Warner, dazu die unkonstanten Leistungen des Ex-Götzis-Siegers Hans van Alphen, von Eelco Sintnicolaas oder Ilya Shkurenev bekam diese Frage während der zehn Bewerbe im Mösle Aktualität.

„Das geht nicht alle Tage“

Auch die deutschen Zehnkämpfer lieferten in ihrer neuen Leichtathletik-Hauptstadt keine Topleistungen ab. „Dass man hier mir 8462 Punkten gewinnen kann, geht nicht alle Tage“, war sich Sieger Kai Kazmirek bewusst, Luft nach oben zu haben. Michael Schrader, mit 8415 Zählern nur 47 Punkte dahinter auf Platz zwei, sprach sogar von seinem „gefühlt schlechtesten Zehnkampf des Lebens. Mit den Punkten bin ich zufrieden, mit dem Wettkampf gar nicht.“ Kazmirek freute sich da schon mehr: „Das ist absolut grandios, ich habe damit nicht gerechnet“, ging für den 24-jährigen, der zum dritten Mal in Götzis an den Start ging, ein Traum in Erfüllung. „So viele Deutsche haben hier ja noch nicht gewonnen.“ Und Kazmirek dachte auch an die Mannschaft: „Die Plätze eins, zwei und vier – wann gab es das hier schon einmal für Deutschland?“ Als dritter DLV-Athlet im Bunde musste sich der lange Führende Rico Freimuth (8380) nach einem schwachen 1500-m-Lauf mit Rang vier zufriedengeben.

Viel Spannung

Die Königsdisziplin der Leichtathletik lebte über alle Disziplinen von der Spannung. Kazmirek führte – wie schon im letzten Jahr – mit 4409 Punkten vor dem überraschend auftrumpfenden Amerikaner Jeremey Taiwo. Über 100 m entfiel das mit Spannung erwartete Duell zwischen Eaton und Warner, der Kanadier legte mit 10,37 die drittschnellste Zeit auf die Mösle-Bahn. Im Weitsprung genügten Schrader 7,66 Meter zum Disziplinensieg, beim Kugelstoßen spielte sich das persönliche Drama von Warner ab: der Kanadier übertrat einmal, zweimal landete das Sportgerät außerhalb des Sektors. Taiwo schraubte sich im Hochsprung über 2,15 Meter, im 400-Meter-Lauf legte Warner mit 47,04 die sechstbeste Mösle-Zeit auf die Bahn. Und der Meeting-Pechvogel lief über 110 m Hürden zu Beginn des zweiten Tages gleich wieder zu Hochform auf: in 13,54 Sekunden spulte er die 110-m-Hürden in neuem Stadionrekord herunter, verbesserte die 13,55 von Frank Busemann aus dem Jahre 1996.

Den Diskus warf der Japaner Keisuke Ushiro mit 48,72 m am weitesten, im Stabhochsprung überwand der Belgier Niels Pittomvils als einziger starke 5,30 Meter. Mit einem Wurf auf 68,43 Meter setzte Coertzen im Speerbewerb den Grundstein für Platz drei und Kazmirek (64,45) für den Sieg.

Patt vor dem letzten Bewerb

Vor dem abschließenden Bewerb, dem 1500-m-Lauf, war eine totale Pattstellung gegeben: Kazmirek führte neun Punkte vor Freimuth, 124 vor Schrader und 145 vor Coertzen. Den 1500-Meter-Bewerb dominierte der am Ende mit einer persönlichen Bestleistung sechstplatzierte Taiwo (8303), der Fünfte Ilya Shkurenev (8343) versuchte mitzuhalten. Aber Kazmirek reichte die zwölftbeste Zeit für den Sieg – weil sich weder Coertzen (2.) noch Schrader (3.) am Ende ein entsprechendes Zeitpolster verschaffen konnten.

Für Warner blieb ein kleines Trostpflaster: nach dem Kugel-Malheur kam er mit nur neun Disziplinen auf 7893 Punkte und übertraf damit den „Neunkampf“-Weltrekord von Dan O‘Brien um einen Zähler.

Das ist absolut grandios, damit habe ich nicht gerechnet.

Kai KAzmirek