Freundin brutal verprügelt: „Ich musste tun, was man tun muss“

Vorarlberg / 31.05.2015 • 23:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Wie ein Stück Dreck“ soll der Angeklagte sein Opfer die Treppe hinuntergeschleift haben. Symbolfoto: VN/Hartinger
„Wie ein Stück Dreck“ soll der Angeklagte sein Opfer die Treppe hinuntergeschleift haben. Symbolfoto: VN/Hartinger

27-Jähriger fühlte sich als Stalkingopfer und schlug Frau mit Fußtritten.

Bregenz. Respekt scheint dem Mann ein Fremdwort zu sein. Er kennt ihn nicht, weder vor der holden Weiblichkeit noch vor dem hohen Gericht.

Auf die Frage von Bezirksrichter Christian Röthlin, wie viele Vorstrafen er denn in Erinnerung habe, antwortet der 27-Jährige Beschuldigte süffisant: „Weiß nicht, jeden Tag an die 100 wahrscheinlich.“

„Und Ihr Beruf?“

„Leasing irgendwas …“

„Sind Sie ledig?“

„Sowieso.“

Die Anklage lautet auf Körperverletzung. Der „Leasingarbeiter irgendwas“ soll eine 39-jährige Physiotherapeutin auf den Boden geschleudert und ihr massive Fußtritte gegen Bauch und ins Gesicht versetzt haben.

Vorwürfe, die an dem Beschuldigten abprallen wie Gummibälle an Beton.

„Sie hat sich mal fünf Monate bei mir eingenistet. Für mich war die Beziehung zu Ende. Aber sie ließ mich einfach nicht in Ruhe. Das war mir lästig. Was sollte ich also tun? Mich bei ihr bedanken? Das Ganze einfach ignorieren?“

Eine halbe Stunde habe sie an seiner Tür geklingelt. Pausenlos.

„Das geht jetzt schon seit einem Jahr so“, schimpft der Angeklagte. Sein Opfer tritt als Zeugin auf. Die Physiotherapeutin gibt zu, ihn oft angerufen zu haben. Aber es sei nicht in Richtung Stalking gegangen. „Als ich dann an seiner Wohnungstür geklingelt habe, hörte ich ihn nur schreien, dass er sich gerade selbst befriedige und es ihm jetzt reiche.“

„Wie ein Stück Dreck“

Dann habe der 27-Jährige plötzlich die Türe aufgerissen. „Und schon bekam ich die erste Ohrfeige“, schildert die 39-Jährige. „Dann warf er mich zu Boden, trat mich mit Füßen und schleifte mich die Treppe hinunter wie ein Stück Dreck.“

Auf die Frage des Richters, weshalb er so aggressiv gewesen sei, antwortet der Beschuldigte emotionslos: „Ich musste tun, was man tun muss.“ Resultat der Prügelorgie: Eine Brille mit irreparablen Schäden, Prellungen und 21 Tage Schmerzen. „In den Krankenstand zu gehen, konnte ich mir nicht leisten“, ergänzt die Physiotherapeutin noch.

3000 Euro Strafe

„Wollen Sie vor der Urteilsverkündung noch etwas sagen?“, will Richter Röthlin vom Beschuldigten wissen.

„Nein, nur abschließen das Ganze“, kommt als Antwort.

Der Mann wird im Sinne der Anklage zur 300 Tagessätzen in Höhe von zehn Euro verurteilt, an sein Opfer muss er 1500 Euro Schadenersatz und Schmerzengeld bezahlen.

„Einverstanden mit dem Urteil?“, lautet die Frage des Richters.

„Eigentlich nicht“, so die Antwort.

Die Verhandlung ist geschlossen.

In den Krankenstand zu gehen, konnte ich mir nicht leisten.

Das Opfer