Mädchen und Mathe

Vorarlberg / 31.05.2015 • 18:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In ganz Vorarlberg waren letzte Woche die ernüchternden Zahlen zu lesen: Jede fünfte Zentralmaturantin scheiterte an Mathematik! Von Mädchen als Mathe-Risikogruppe war die Rede, die im österreichweiten Vergleich überraschenderweise das Schlusslicht bilde. Die Frage, wie die Kluft zwischen Mädchen und Buben beseitigt werden könne, bereite großes Kopfzerbrechen. Schließlich seien die mathematischen Leistungen der zukünftigen Lehrlingsgeneration von zentraler Wichtigkeit für unsere Wirtschaft.

Nun bin ich überrascht. Seit Jahren zeigen Schulstudien schlechte Mathe-Ergebnisse bei Mädchen auf, die keinesfalls angeboren, sondern auf eine erworbene Haltung rückführbar sind. Diese wiederum begründet sich auf Zuschreibungen im gesellschaftlichen Aufwachsen. So wird mathematisches Können in unserer traditionalistischen Kultur mit rationalem und logischem Denken in Verbindung gebracht. Diese hoch bewerteten Fähigkeiten sprechen wir hauptsächlich Buben zu. Den Mädchen attestieren wir Emotionalität und Affektivität. Diese eher negativen Zuschreibungen haben Auswirkungen darauf, wie Mädchen sich und ihre mathematischen Fähigkeiten im Vergleich zu Buben einschätzen. Nach der im März 2015 veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erachten Mädchen ihre mathematischen Leistungen bei nachweislich gleichem Niveau somit als weniger gut als die ihrer männlichen Mitschüler. Angst und Skepsis bestimmen deren mangelndes Interesse an Mathematik und sind Grund dafür, dass Mädchen für zukunftsträchtige MINT–Berufe und die Gestaltung unseres wirtschaftlichen Erfolgs momentan eher nicht zur Verfügung stehen.

Wir kommen nicht umhin, anzuerkennen, dass wir Jugendlichen das Zutrauen in ihre mathematischen Lösungskompetenzen anerziehen. Um Mädchen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, müssen wir eigene Bilder im Kopf hinterfragen, neu bewerten und strukturelle Gleichstellung zwischen Buben und Mädchen, Männern und Frauen forcieren. Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit bringt Vorarlbergs Wirtschaft wieder ganz nach vorne. Laut OECD lässt es sich nachweisen: Je gleichberechtigter ein Land ist, desto geringer sind die Unterschiede in Mathematik zwischen Mädchen und Buben.

Die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit bringt Vorarlbergs Wirtschaft wieder ganz nach vorne.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone.