Mit Hilfe der Türkei gegen den schwächelnden Assad

Politik / 31.05.2015 • 22:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kämpfer der von der Terrororganisation Al-Kaida gesteuerten Al-Nusra-Front nehmen immer mehr Territorium in Syrien ein. FOTO: REUTERS
Kämpfer der von der Terrororganisation Al-Kaida gesteuerten Al-Nusra-Front nehmen immer mehr Territorium in Syrien ein. FOTO: REUTERS

Al-Kaida-Ableger „Nusra“ wurde in Syrien mittlerweile zum Liebkind von Erdogan.

damaskus. Seit Monaten war in der nahöstlichen Terror­ecke zwischen Mittelmeer, Euphrat und Tigris die Aufmerksamkeit voll auf den „Islamischen Staat“ (IS) gerichtet. Trotz aller Luftangriffe und seines Eintagsfliegenverlustes des irakischen Takrit scheint er am Boden einfach nicht zu besiegen, hat sich erst jetzt wieder Richtung Bagdad bis Ramadi und in Syrien zur antiken Stadt Palmyra ausgedehnt. Umso weniger war von seiner Rivalin unter den Terrormilizen zu hören, der von Al-Kaida ferngesteuerten syrischen Al-Nusra (Die Hilfe).

Wie ein Phönix aus der Asche bringt diese aber nun in bedrohlicher Nähe von Präsident Assads Hausmacht um den Hafen Latakieh eine strategisch wichtige Position nach der anderen in ihre Gewalt. Zuletzt Idlib zwischen türkischer Grenze und der ans Meer führenden Autobahn. Idlib a-achdar, das „Grüne Idlib“, war für seine Olivenhaine berühmt.

Kanonen und Raketen

Doch recken sich dort nun statt friedlicher Ölzweige frisch aus der Türkei gelieferte Kanonen und Raketen gegen die Reste des Assad-Regimes in die Höhe. Eine in Ankara durch die Anti-Erdogan-Opposition in Gang gebrachte Untersuchung deckt auf, dass fast rund um die Uhr vom türkischen Geheimdienst MIT beschaffte Lkw mit Waffen und Dschihadisten über die Grenze rollen. Weniger zugunsten des IS als der von den Muslim-Brüdern getragenen Nusra. Diese gewalttätige Bruderschaft ist offizielles Liebkind Erdogans von Syrien bis Ägypten.

Für das mächtige Wiedererstehen von Al-Nusra aus zweijähriger Bedeutungslosigkeit zeichnet neben „Nachbarschaftshilfe“ der Türken auch Baschar al-Assad selbst verantwortlich. Er hat seine letzten Kräfte in Palmyra dem „Islamischen Staat“ entgegengeworfen, sogar dessen Hochburg Raqqa anzugreifen versucht.

Anbiederung an den Westen

Damit will er sich auch der westlichen Anti-IS-Allianz anbiedern. Im Falle von Frankreich hat das bereits zu Erfolg geführt. Syriens für ihn und seine Alauwiten so neuralgische Nordwestecke wurde von Assad darüber sträflich vernachlässigt. Dazu kommt, dass sich bei den syrischen Regierungstruppen erste Mängel an Munition, Sprit und Mannschaften bemerkbar machen.

Der „Emir“ von Al-Nusra, der frühere Arabisch-Professor Abu Muhammad al-Golani, gab daher nun dem prominenten Sender Al-Gezirah sein erstes Interview seit 2013. Vermummt wie damals, aber diesmal völlig siegessicher. Er rät der schiitischen Alauwitensekte, sich von Assad zu trennen und zum sunnitischen Islam zu bekehren. Sonst sei ihnen allen der Tod gewiss. Hingegen versucht sich der Nusra-Chef den nordostsyrischen Christen anzubiedern: Das aramäische Maalula, von seinen Horden im Herbst 2013 gebrandschatzt, erhält von ihm damals geraubte Glocken der Kirchen und Klöster zurück.