Altach greift nach Winterkrone

Sport / 16.12.2016 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einsatz total, das zeigte Altach über die gesamte Herbstsaison. Im Bild Kapitän Philipp Netzer (r.) und Boris Prokopic in einem Kopfballduell. gepa
Einsatz total, das zeigte Altach über die gesamte Herbstsaison. Im Bild Kapitän Philipp Netzer (r.) und Boris Prokopic in einem Kopfballduell. gepa

Zum Jahresausklang gastiert Rekordmeister Rapid am Sonntag in der Cashpoint Arena.

altach. „Es spielt nicht Grabherr gegen Canadi, sondern Altach gegen Rapid.“ Interimscoach Werner Grabherr will im Vorfeld des Spitzenspiels des letzten BL-Spieltages keine künstlichen Emotionen zulassen, sondern bleibt seiner ruhigen Art treu. Und so blickt er dem ersten Duell gegen Extrainer Damir Canadi gelassen entgegen. Überraschungen? „Ich erwarte eine Schachpartie“, lautet seine Antwort, um dann hinzuzufügen: „Mit mehr Feuer als gegen Sturm.“ Jedenfalls werde wohl kein Team von seinem System abweichen, womit eine gewisse Pattstellung gegeben ist. „Die Frage ist, wie das System interpretiert wird: Offensiv oder defensiv. Es wird jedoch immer so sein, dass eine Mannschaft den Ball haben wird. Wichtig ist es deshalb, die sich dann bietenden Freiräume zu nutzen.“ Am Ende könnten für Grabherr zwei Dinge den Ausschlag geben:

Köperliche Komponente: Diesbezüglich sind wir dank Martin Hämmerle absolut top.

Ersatzbank: Wer am Ende mehr Möglichkeiten hat zu reagieren, ist sicherlich im Vorteil.

Übermotivation angesprochen

Was seine eigene Zukunft als Trainer betrifft, so macht sich der 31-Jährige keine Gedanken. „Es macht mir Spaß und Freude, mit der Mannschaft zu arbeiten. Das steht im Vordergrund. Dass die Zeit einmal endet, war zuvor so abgesprochen. Damit setze ich mich aber erst nächste Woche auseinander.“

Emotionen werden am Sonntag dennoch nicht zu vermeiden sein, selbst wenn beide Parteien versuchen, die Partie als eine „wie jede andere“ (Canadi) zu bezeichnen. Für die Spieler selbst jedenfalls braucht es keine Extra-Motivation, wie Kapitän Philipp Netzer bestätigt. „Wir haben die Chance, ganz oben zu überwintern. Mehr Anreiz braucht es nicht.“ Ein wenig sticheln konnte sich der 31-jährige Altacher Abwehrchef dann doch nicht verkneifen: „Wenn wir es schon nicht schaffen, das Stadion zu füllen, dann wenigstens unser Extrainer.“

Bewusst angesprochen wurde diese Woche von der sportlichen Führung auch das Thema Übermotivation. „Weil wir nicht gegen Damir Canadi spielen, sondern die Chance auf die Winterkrone haben“, betont Netzer noch einmal. Immerhin mache es Spaß, auf Platz eins zu stehen. Es wäre nach Ried in der Saison 2010/11 das erste Mal, dass ein Außenseiter in der Winterpause von Platz eins strahlt. Ein auch für Louis-Clement Ngwat-Mahop nicht zu unterschätzender Aspekt. „Für den Kopf wäre das mit Sicherheit nochmals ein Motivationsschub“, ist der 29-Jährige überzeugt. Dass er inzwischen mancherorts als „Mann für die Nachspielzeit“ tituliert wird, nimmt er gelassen. Immerhin hat der Mann aus Kamerun stets an die Qualität der Mannschaft geglaubt. Und so hält sich seine Überraschung über den Verlauf der Herbstsaison in Grenzen – zumal das Rapid-Spiel die Krönung sein soll.

Selbst Gerüchte, wonach Spieler ihrem Ex-Trainer nach Wien folgen sollen, sorgen derzeit in Altach nicht für übertriebene Hektik. Erfolg macht begehrlt, dessen ist man sich im Schnabelholz bewusst. Der starke Herbst hat aber auch das Selbstbewusstsein gestärkt, weshalb man auch in der Trainersuche keine Hektik verspürt. Auch wenn es scheint, als hätten sich derzeit mit Oliver Lederer (38) und Martin Scherb (47) zwei Kandidaten herauskristallisiert, so ist doch nicht mit einer Entscheidung vor Weihnachten zu rechnen. Ganz nach dem Motto: Erst die Winterkrone nach Altach holen, danach bleibt Zeit für die Trainerfrage.

Es spielt nicht Grabherr gegen Canadi, sondern Altach gegen Rapid.

Werner Grabherr