Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Direktor geht, Intendantin bleibt

Kultur / 16.12.2016 • 22:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es mag in gewisser Weise auch schmeichelhaft für die Bregenzer Festspiele gewesen sein, dass Intendantin Elisabeth Sobotka als Leiterin der Wiener Staatsoper im Gespräch war. Zumindest hielten sie einige Protagonisten des Kulturlebens in der Bundeshauptstadt für die geeignete Person mit entsprechenden Fähigkeiten, um dem alten Kasten am Ring wieder neues Leben einzuhauchen.

Während sich Sobotka selbst bei Nachfragen freundlich und höchst professionell zurückhielt und die Nennung in Wiener Medien nicht weiter kommentierte, wäre ihr Rückzug aus Bregenz für das Kulturunternehmen am See eine Tragödie gewesen. Freilich muss man mit solchen Situationen zurande kommen, das Aufatmen ist nun aber wohl hörbar. Bekanntermaßen bewirbt man sich als besondere Fachfrau bzw. als besonderer Fachmann für solche Posten nicht einfach, man wird angefragt, sich zu bewerben. Elisabeth Sobotka blieb bei dem, was sie durchsickern ließ, sie hat abgewunken.

 

Bregenz bietet, wie sie stets bekundete, Herausforderung und die Möglichkeit, Ideen umzusetzen, um das Festival mit weiteren Facetten im internationalen Reigen zu positionieren. Überregionale Anerkennung durch Publikumszuspruch, in Kritikermeinungen und mit Preisen hat es längst erfahren. Mit einem Opernstudio als Plattform für herausragend gute junge Sänger und mit einem Opernatelier mit Uraufführungen neben dem großen Werk auf der Seebühne, für das jeweils ein entsprechendes Regieteam zu finden ist, sowie mit der Neuausrichtung der Oper im Haus hat sie in den ersten zwei Jahren ihrer Intendanz bereits gut erkennbare Statements gesetzt.

 

In Wien diskutiert man nun freilich darüber, ob der Vertrag des amtierenden Staatsopern-Direktors Dominique Meyer verlängert wird oder nicht. 18 Bewerber für den Posten soll es geben, Kulturminister Thomas Drozda soll demnächst eine Entscheidung treffen. Obwohl das Pendel – so die Aussagen von Menschen aus dem internen Umfeld der Oper bzw. der Bundestheater – jüngst wieder für Dominique Meyer ausschlug, dürfte es nun doch eine Änderung geben. Zumindest in dreieinhalb Jahren, denn so lange hat der Elsässer ja noch das Ruder in der Hand. Offenbar soll auch Philippe Jordan, der aus Zürich stammende Chefdirigent der Wiener Symphoniker als musikalischer Leiter des Hauses im Gespräch gewesen sein. Er dürfte in den Philharmonikern bzw. dem Opernorchester allerdings nicht jenen Klangkörper sehen, der ihn nach Wien ziehen würde.

Vielleicht ist auch das ein Vorteil für Bregenz, der Verbleib der Intendantin ist es auf jeden Fall.

christa.dietrich@vn.at, 05572/501-225