Liebe ist hier stärker als der Tod und kitschfrei

Kultur / 16.12.2016 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alexander Kubelka mit Kostümskizzen und dem Bühnenmodell.
Alexander Kubelka mit Kostümskizzen und dem Bühnenmodell.

Landestheater probt „Orpheus und Eurydike“ mit Philosophie und Popstar-Flair.

Christa Dietrich

Bregenz. Rund zwanzig Frauen sind gerade eifrig am Stricken, denn nicht nur Amor trägt einen Pullover im Oversize-Look, auch den gesamten Chor gilt es wollig einzukleiden. Andrea Hölzl hatte die Idee dazu, sie stattet die Opernproduktion „Orpheus und Eurydike“ aus, die das Vorarlberger Landestheater umsetzt. Schon öfter hatte Intendant Alexander Kubelka seine Liebe zur Barockmusik bekundet, neben der Reihe von Repertoirehits, aus der das Unternehmen den Titel für die einzige große Musiktheaterinszenierung pro Spielzeit wählt, sollte die Epoche im Rahmen eines kleineren Projektes berücksichtigt werden, nun wurde mit dem „Orfeo“ von Christoph Willibald Gluck (1714-1787) eine Oper, die an der Schwelle zwischen Barock und Aufklärung steht, zum zentralen Stück erkoren.

Macht von Kunst und Liebe

Am 1. Februar findet im Kornmarkttheater die Premiere statt. Michael Hofstetter, ein ausgewiesener Spezia­list für Barockmusik und ein Dirigent, der an großen europäischen Häusern engagiert ist, steht am Pult des Symphonieorchesters Vorarlberg. Man spielt, wie es in der Branche heißt, „historisch informiert“ und wählte damit eine Lösung, die für größere Häuser nicht unüblich ist. Der Intendant inszeniert selbst, Florian Etti, ein aus Lindau stammender Bühnenbildner, der unter anderem bei Rolf Glittenberg studierte, arbeitet mit luziden zylindrischen Objekten, die optisch unterstreichen, dass es sich bei „Orpheus und Eurydike“ (das Theater wählte diesen Titel, führt das Werk aber selbstverständlich in italienischer Sprache auf) um einen uralten Mythos  bzw. um eine Grenzüberschreitung geht.

Sänger Orpheus, der seine geliebte Eurydike verliert, steigt hinab in die Unterwelt, besänftigt mit seiner Kunst die Furien und darf Eurydike zurückholen, wenn er sie nicht anblickt. Von der Geburt der Kunst, von der Erfahrung, die Orpheus zu dem machte, was er ist, spricht Dramaturgin Dorothée Bauerle-Willert im Rahmen des kurzen Probeneinblicks, der Medienvertretern gestern gewährt wurde. Wir wissen, dass der Sänger bei Gluck im Vergleich zum Mythos noch eine weitere Chance erhält und Eurydike zurückerhält. Dass diese ebenso vor einer Entscheidung steht, dass sie mit der Unterwelt einen Raum wiederum verlassen soll, den sie als angenehm erlebt, will Kubelka besonders unterstreichen, indem er eine Puppe zum Einsatz bringt, die haargenau nach Fotoaufnahmen von Daniela Gerstenmeyer geschaffen wurde. „Ich bin gespannt, wie das funktioniert und wie ich daneben agieren kann“, formuliert die Sopranistin die Herausforderung, die sich ihr stellt. Der Countertenor David DQ Lee erzählt im Gespräch mit den VN, dass der innere Kampf, den er durchmacht, hier stärker zum Tragen kommt als in Gluck-Aufführungen, in denen er zuletzt engagiert war.

Dass er die psychologische wie philosophische Ebene zu betonen trachtet, macht Kubelka mit der Anmerkung deutlich, dass der Tod von Orpheus durch Selbstmord ja kein negativer Schluss gewesen wäre. Das Liebespaar wäre im Elysium vereint, Gluck wollte es anders, die Figur des Amor hilft dabei.

Um zu den Strickerinnen zurückzukommen, auch diese trägt einen riesigen Pullover. Wann und warum das dann einmal nicht der Fall ist, und was Amor im entscheidenden Moment anhat, soll noch ein Geheimnis bleiben. Eines ist aber klar, ein wenig Popstar-Flair darf der Bregenzer „Orpheus“ haben.

Wir zeigen, dass es um schwere Entscheidungen geht.

Alexander Kubelka
Daniela Gerstenmeyer als Eurydike und David DQ Lee als Orpheus. Foto: VN/Hartinger
Daniela Gerstenmeyer als Eurydike und David DQ Lee als Orpheus. Foto: VN/Hartinger

Die Premiere findet am 1. Februar im Bregenzer Kornmarkttheater statt. Elf Aufführungen sind geplant.