„Schreiben ist wie ein Handwerk“

Kultur / 16.12.2016 • 21:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
18 ihrer Shortstories hat Monika Helfer für eine CD-Produktion selbst gelesen.  Foto: Gerhard Klocker
18 ihrer Shortstories hat Monika Helfer für eine CD-Produktion selbst gelesen.  Foto: Gerhard Klocker

Monika Helfer liest ihre Shortstories und schreibt ein Theaterstück, das demnächst uraufgeführt wird.

Hohenems, Schwarzach. (VN-cd) Wer die Geschichten von Monika Helfer liest, taucht ein in Beziehungen, in Glück, in Unglück, er erkennt Sehnsucht, sieht aber auch Armut. Es ist ihr eigen, vor dem geistigen Auge unmittelbar Bilder entstehen zu lassen, die lange bleiben, die uns mit Fragen konfrontieren, den Alltag sowohl verzaubern als auch entzaubern. Im Gespräch ist die Vorarlberger Schriftstellerin Pragmatikerin. „Ich bin glücklich, dass ich diese Geschichten schreiben kann“, sagt sie. Jetzt habe sie auch jede Menge Zeit dazu. Die mittlerweile erwachsenen Kinder – Monika Helfer ist mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier verheiratet und hat eine größere Familie – lassen eine freiere Zeiteinteilung zu.

„Schreiben ist wie ein Handwerk“, bemerkt sie sogar, wie Gymnastik sei es, wenn man wieder drin ist, jeden Tag schreibt, dann laufe es gut: „Ich kann nur jedem Autor empfehlen, jeden Tag zu schreiben.“ Den schlimmen Einschnitt in ihrem Leben thematisiert sie selbst. Als die Tochter Paula Köhl­meier zu einem Zeitpunkt tödlich verunglückte, als sie als 21-Jährige gerade erst begann, sich als Schriftstellerin zu etablieren, war mehrere Jahre lang kein Schreiben möglich. Texte von Paula Köhlmeier erschienen in dem Buch „Maramba“, das die Vorarlberger Theatermacherin Brigitte Walk erst jüngst mit ihrem Ensemble auf eindringliche Art auf die Bühne brachte. Die Auseinandersetzung mit dem Tod der Tochter haben Monika Helfer und Michael Köhlmeier literarisch verarbeitet.

Über 400 Texte

Mit Romanen wie „Oskar und Lilli“ hatte sich Monika Helfer zuvor längst einen Namen gemacht, das Schreiben der Shortstories sei wie ein Neuanfang gewesen. Über 400 sind mittlerweile geschaffen worden. Vorgaben zur Länge, die bei Veröffentlichungen in Tageszeitungen wie den VN notwendig sind, empfindet Helfer längst nicht mehr als Einschränkung, Rückmeldungen gibt es viele. Mehr oder weniger alle waren positiv und schon seit Längerem sind Menschen auf sie zugekommen, die nach Publikationen neben der Veröffentlichung in der Tageszeitung fragten, um die Texte auch zu einem späteren Zeitpunkt nachlesen zu können. Helfer entschied sich für eine CD. In einem halben Tag waren die Texte eingespielt. „Wenn ich lese, gewinne ich eine gewisse Sicherheit“, erklärt die Autorin den inneren Vorgang, der sich für den Hörer über eine sichere Stimme in ausbalancierter Betonung äußert.

Und wie findet Monika Helfer ihre Geschichten? „Jeden Tag“, antwortet sie, ihre Wahrnehmung sei inzwischen bereits auf das Schreiben fokussiert. „Ich höre beispielsweise ein kurzes Gespräch oder treffe jemanden von früher, ich brauche keinen politischen Anlass.“ Da war beispielsweise eine junge Frau, die sie in einem Zug traf, sie war schwanger, wirkte sehr schüchtern und verschämt. Früher hatte sie sie als aufgeweckt gekannt. Schon entstand eine Geschichte . . .

Auf Partnersuche

Der Spielplan des Bregenzer Theaters Kosmos für das kommende Jahr ist noch nicht bekannt gegeben, fest steht jedoch, dass Monika Helfer für die Bühne ein Stück schreibt bzw. bereits so gut wie geschrieben hat, in dem auch ihr vielschichtiger Humor zum Ausdruck kommt. Der „Frauentourist“, so der Arbeitstitel, handelt von einem Mann auf Partnerinnensuche. Anders als in den (fragwürdigen) Fernsehformaten wird dabei nicht eine Frau ins Haus geholt, sondern der Mann ist quasi touristisch unterwegs. Eben mit einem besonderen Ziel vor Augen. Das Drama sei freilich etwas vollkommen anderes, aber als die Anfrage des Theaterleiters kam, sei auch das Thema da gewesen und damit auch die Sätze. Und: Mit den Shortstories ist es noch nicht genug, die Vorarlbergerin schreibt an einem weiteren Roman.

Vieles kann ein Auslöser für diese Geschichten sein, ein Gespräch, ein Satz, eine Zeitungsnotiz.

Monika Helfer

Monika Helfer: „Shortstories“ mit 18 Texten der Vorarlberger Schriftstellerin auf CD. Erhältlich auch im VN-Shop