392 an Grenze zurückgewiesen

Vorarlberg / 18.12.2016 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Vorjahr wurden noch 90 Menschen von Deutschland nach Vorarlberg zurückgewiesen.  Foto: VN/Hofmeister
Im Vorjahr wurden noch 90 Menschen von Deutschland nach Vorarlberg zurückgewiesen. Foto: VN/Hofmeister

Anzahl der Menschen, die nach Vorarlberg zurückgebracht wurden, mehr als vervierfacht.

Schwarzach. Ohne Pass über die Grenze nach Deutschland? Das spielt sich nicht mehr. Seit über einem Jahr gehört der barrierefreie Grenzübertritt der Vergangenheit an. Deutsche Zöllner stehen parat und weisen ab, wer nicht rein darf. Damit will die Bundesrepublik den Zuzug von Flüchtlingen kontrollieren. Zwischen 1. Jänner und 1. November dieses Jahres wiesen deutsche Beamte an den Grenzen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg insgesamt 12.301 Menschen ab, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. 5074 in Oberösterreich, 4301 Tirol, 2706 in Salzburg. Und in Vorarlberg übernahm die Polizei 220 Personen. „Mittlerweile ist die Zahl auf 392 gestiegen“, erklärt Andreas Degasperi, Leiter der Fremdenpolizei des Landespolizeikommandos Vorarlberg, im Gespräch mit den VN.

Hinter dem Ausdruck „Zurückweisung“ verbergen sich mehrere Szenarien. 327 der 392 Menschen sind direkt an der Grenze abgewiesen worden, weil Deutschland ihnen die Einreise verweigerte. 27 weitere Personen wurden als Dublin-Fälle zurück nach Vorarlberg gebracht, 38 Flüchtlinge hat die deutsche Polizei im Inland festgenommen und nach Vorarlberg abgeschoben.

47 Mal zurück in die Schweiz

Nimmt die Polizei einen Flüchtling zurück, kann dieser um Asyl ansuchen. Tut er das, kommt er ins Verteilerzentrum nach Innsbruck, von wo er in eines der neun Bundesländer gebracht wird. Die Polizei prüft allerdings auch, ob Österreich überhaupt für das Verfahren zuständig ist. 47 Mal mussten Flüchtlinge in diesem Jahr bereits in die Schweiz zurückgeschoben werden. „Die Standardroute nach Deutschland über Vorarlberg führt durch die Schweiz“, erläutert Degasperi. Oft mit dem Zug, die Polizei kontrolliere sowohl Züge als auch die bekannten Grenzübergänge. In Vorarlberg befinden sich aktuell 3639 Schutzbedürftige in der Grundversorgung, das Land erfüllt die Quote damit zu 103,62 Prozent. Insgesamt werden in Österreich 79.634 Menschen grundversorgt.

Zwar habe sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr für die Polizei wieder entspannt; die Zahl jener Personen, die von Deutschland nach Vorarlberg zurückgebracht wurden, hat sich aber mehr als vervierfacht, wie Degasperi schildert: „Vergangenes Jahr sind nur 90 Menschen aus Deutschland nach Vorarlberg zurückgewiesen worden.“

Auch die Herkunft der Menschen habe sich verändert, führt er weiter aus: „Die Menschen kommen vermehrt aus Eritrea, Nigeria oder Marokko. Afrika als Herkunftsort hat allgemein zugenommen.“ Die Zahlen des Innenministeriums zeigen, dass ein Bruchteil der zurückgewiesenen Personen einen Asylantrag stellt. Von 12.301 Menschen haben dies nur 1955 getan.

Grenze zu Slowenien

Auch Österreich kontrolliert die Grenzen, weist allerdings deutlich weniger Menschen ab als Deutschland. Das Innenministerium berichtet von 3723 Abgewiesenen, wobei 3225 davon an der Grenze zu Slowenien zurückgewiesen wurden. 133 Menschen wurden nach Albanien gebracht, 127 nach Ungarn. Und sieben nach Deutschland.

Rückweisungen 2016

Von 1. Jänner bis 1. November 2016 wurden 12.301 Personen von Deutschland nach Österreich zurückgewiesen. In Vorarlberg waren es 220, mittlerweile sind es 392.

 

Die Zahlen bis November:

Jänner: 23

Februar: 10

März: 8

April: 2

Mai: 17

Juni: 12

Juli: 39

August: 26

September: 35

Oktober: 48