Hitparade der Mächtigen

Politik / 18.12.2016 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

So ziemlich jeder Mensch weiß, dass es wichtige und unwichtige Informationen gibt. Wichtig ist beispielsweise: „Ihre Bude brennt, Nachbar, Sie kommen besser raus.“ Eher unwichtig und von beschränktem Unterhaltungswert ist dagegen die zur Weihnachtszeit jetzt wieder vom US-Magazin „Forbes“ veröffentlichte Liste der „mächtigsten Menschen der Welt“.

 

Als die Nummer eins und Nummer zwei werden da Kreml-Boss Wladimir Putin und der kommende US-Präsident Donald Trump aufgeführt. Nummer drei ist die vorjährige Spitzenreiterin Angela Merkel. Als Nummer vier taucht China-Präsident Xi Jinping auf und als Nummer fünf Papst Franziskus. Auf den nächsten Rängen tummeln sich jede Menge US-Größen mit viel Geld: Computer-Mensch Bill Gates genauso wie Google-Mann Larry Page, Amazon-Boss Jeff Bezos und Facebook-Miterfinder Mark Zuckerberg.

Wie definiert man „mächtig“? Weil jemand wie Putin Syrien mit Bomben zerdeppern kann? Weil Trump einen Freibrief reklamiert, dem weiblichen Teil der Weltbevölkerung ungestraft an die Wäsche gehen zu dürfen? Oder weil ein paar Milliarden auf dem Konto mächtig machen? Wie Onkel Dagobert im Geld zu wühlen, ein Ferkel zu sein oder Bomben schmeißen zu können ist ja nicht unbedingt ein Zeichen bewundernswerter oder anzustrebender Macht.

Und was ist mit dem nordkoreanischen Psychopathen Kim Jong Un (Nummer 43 auf der Liste der Mächtigen)? Der Typ, der Familienangehörige mit Flugabwehrkanonen zerschreddert? Im Oberstübchen nicht ganz dicht zu sein, macht laut „Forbes“ eben mächtig. Und wer der EU das Rückgrat brechen will, ist es auch. Wie Brexit-Premierministerin Theresa May (Nummer 13 auf der Liste). Steinzeit-Despot mit viel Öl unterm Sand zu sein, wie Saudi-König Salman, sichert Platz 16 bei der US-typischen Mächtigen-Hitparade.

 

Nun wirklich mächtige und das tägliche Leben sehr vieler beeinflussende und bestimmende Menschen tauchen im Forbes-Ranking gar nicht auf: Etwa die großen Bank-Bosse, die mit ihren Geld-Zockerspielen vor ein paar Jahren eine Weltwirtschaftskrise mit schlimmen Folgen für Millionen „kleiner Leute“ auslösten. Oder Arzneimittelpreise in astronomische Höhen katapultierende Pharma-Hyänen. Oder hemmungslos Angstpsychosen und Hass-Wellen auslösende politische Schreihälse.

Da stellt sich die Frage, wer denn nun wirklich auf die Weltrangliste der Mächtigen gehört. Wie wäre es mit Menschen, die die Welt zum Besseren verändern? Etwa Seuchen und andere schlimme Krankheiten ausrottende Wissenschaftler, die Millionen von Menschenleben retten. Oder ganz normale Menschen – Politiker eingeschlossen – die selbstlos Gutes tun. Ist es überfällig, Macht neu zu definieren? Als Macht der Menschlichkeit? Denn so gesehen können wir alle „mächtig“ sein. Wir müssen es nur wollen. Konstruieren wir doch unsere eigene „Liste der Mächtigen“. Ein paar Figuren von der Forbes-Liste ausgenommen.

Es stellt sich die Frage, wer denn nun wirklich auf die Weltrangliste der Mächtigen gehört.

Peter W. Schroeder, Washington