Nicht nur das Wasser versickert

Vorarlberg / 18.12.2016 • 19:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Effektive Abwasserreinigung funktioniert mit „dicker Suppe“ besser. ha 
Effektive Abwasserreinigung funktioniert mit „dicker Suppe“ besser. ha

 

Neue Kanal-Verordnung kostet Dornbirner Haus- und Wohnungsbesitzer eine schöne Stange Geld.

Dornbirn. (ha) Hausbesitzer, vor deren Haustür die Kanalisation erneuert wird, müssen sich auf unangenehme Überraschungen gefasst machen: Weil Dach- und Oberflächenwasser nicht mehr wie bisher in den Kanal abgeleitet werden dürfen, müssen auf eigenem Grund und Boden Sickergruben errichtet werden. Dort versickert aber nicht nur Wasser, sondern auch Geld der Bürgerinnen und Bürger.

Die neue Verordnung wird Schritt für Schritt umgesetzt. Zum Handkuss gekommen sind bereits etliche Anrainer, vor deren Haustür der Kanal saniert wurde. Das führte zu Protesten, denn die Kosten für die nun vorgeschriebenen Sickergruben liegen zwischen 4000 und 10.000 Euro, sofern versickerungsfähiger Boden vorhanden ist. Das ist allerdings nicht überall der Fall.

Mit dem neuen Trennsystem soll nicht nur ein Absinken des Grundwasserspiegels verhindert werden. Wenn zu viel sauberes Wasser in den Kanal eingeleitet wird, gibt es Probleme mit der Abwasserreinigung, weil die „Suppe“, die in der ARA im Foracheck ankommt, zu dünn ist. Als die großen Textilbetriebe noch Unmengen von Schmutzwasser produzierten, gab es dieses Problem nicht. Vor rund 35 Jahren wurde deshalb das Einleiten von sauberem Wasser in den Kanal von der Stadt vorgeschrieben. Sickergruben mussten zugeschüttet werden. Jetzt ist wieder alles anders.

Stadt zahlt mit

Um die finanzielle Belastung zu lindern, greift die Stadt Hausbesitzern, die eine Anlage bauen müssen, finanziell unter die Arme, kündigt Tiefbaustadtrat Gebhard Greber an: „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass diese Menschen wenigstens einen deutlichen Kostenbeitrag erhalten. Die Beschlussfassung für die Förderung steht kurz bevor.“ Wer zum Beispiel 6000 Euro für die Sickergrube aufwenden muss, kann mit einem Zuschuss von 2000 Euro aus der Stadtkasse rechnen.

Diese Art der Förderung ist für die Grünen allerdings nicht der richtige Weg. Stadträtin Juliane Alton ist für ein Gebührensplitting: Wer nach wie vor sauberes Wasser in den Kanal leitet, soll mehr zahlen, wer Geld in eine Sickergrube investiert, weniger. Zur Kassa gebeten werden indirekt auch Bewohner von Vogewosi-Siedlungen. Ihnen werden anfallende Mehrkosten über Miete und Betriebskosten verrechnet. Für Alton eine Ungerechtigkeit: „Die Besitzenden bekommen Förderung, die Mieterinnen und Mieter von Sozialwohnungen nicht. Da sind wir Grüne nicht dabei.“

Die Neos orten inzwischen bereits eine Sickergrubenaffäre. „Ich kann die Dornbirnerinnen und Dornbirner nur ermutigen, Bescheide kritisch zu betrachten, im Zweifel nachzufragen oder sogar lästig zu sein und die Politik in die Verantwortung zu nehmen“, rät Stadtvertreter Horst Schneider den Betroffenen, nicht alles ohne zu hinterfragen zu akzeptieren.