Ansturm in Dornbirn auf bezahlbaren Wohnraum

Vorarlberg / 19.12.2016 • 22:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
FPÖ möchte Schoren-Areal für gemeinnützigen Wohnungsbau, die Landwirtschaftskammer aber will bleiben. Foto: ha 
FPÖ möchte Schoren-Areal für gemeinnützigen Wohnungsbau, die Landwirtschaftskammer aber will bleiben. Foto: ha

 

Die Stadt ist auf der Suche nach Grundstücken für sozialen Wohnbau. FPÖ-Kritik an den Mietpreisen.

Dornbirn. (ha) Die größte Stadt des Landes wächst weiter: Jährlich gibt es etwa 500 Dornbirnerinnen und Dornbirner mehr. Sie alle brauchen Wohnungen. Und da herrscht nach wie vor Mangel, vor allem an sogenannten „Stadtwohnungen“.

Rund 1000 Wohnungssuchende, darunter 250 dringende Fälle, stehen derzeit beim Wohnungsamt im Rathaus um eine leistbare Mietwohnung an. Diese sind trotz reger Bautätigkeit im Bereich des sozialen Wohnungsbaus Mangelware. Laut Bürgermeisterin Andrea Kaufmann konnten letztes Jahr an drei Standorten 170 Wohnungen neuen Mietern übergeben werden. 2017 beginnt die Vogewosi auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück in Kastenlangen mit dem Bau weiterer 70 Wohnungen. Um der ständig steigenden Nachfrage nach „Stadtwohnungen“ begegnen zu können, beteiligt sich die Stadt aktiv an der Suche nach geeigneten Baugründen.

Die Stadtchefin denkt auch an die eigenen Bediensteten: Um den steigenden Bedarf an Dienstwohnungen zu decken, plant Dornbirn die Erweiterung bzw. den Neubau der Personalhäuser an der Hinteren Achmühlerstraße. „Dabei geht es vor allem darum, jüngeren oder neuen Mitarbeitern eine Startwohnung für die ersten Jahre anbieten zu können. Steigend ist auch der Bedarf an Studentenwohnungen. Derzeit führt die Stadt in dieser Sache intensive Gespräche unter anderem mit der Campus V Gesellschaft, der Fachhochschule und Privaten.

„In Richtung Wucher“

Wer sich auf dem privaten Wohnungsmarkt um eine Bleibe umsieht, muss in Dornbirn unverhältnismäßig tief in die Tasche greifen, kritisiert der für die Vergabe von Sozialwohnungen zuständige Stadtrat Walter Schönbeck (FPÖ): „Die Mietpreise steigen in Höhen, die aus meiner persönlichen Sicht schon in Richtung Wucher gehen.“ Stadtrat Gebhard Greber (SPÖ) kritisiert, dass leistbaren Wohnraum zu mieten oder zu erwerben, in Dornbirn zu einem zentralen Problem nicht nur einkommensschwacher Schichten, sondern auch des Mittelstandes geworden ist: „Es ist eine soziale Schieflage, wenn zunehmend Menschen die Hälfte oder mehr als die Hälfte ihres knappen Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Gründe für hohe Wohnungskosten sind laut Greber zudem überzogene Bauvorschriften und Richtlinien, die auch von namhaften Architekten kritisiert würden.

Wenig Verständnis hat Schönbeck für die Pläne der Landwirtschaftskammer, sich nach der vergeblichen Suche nach einem neuen Standort wiederum auf das Schoren-Areal, das zu einem großen Teil im Besitz der Stadt ist, zu konzentrieren, „und sich dort für die nächsten zehn bis 15 Jahre einbunkert“. Für den Wohnungsreferenten wird damit einer der besten Plätze für den sozialen Wohnungsbau blockiert: „Dieser Platz ist zu kostbar für die weitere Benützung als Parkplatz bzw. für Viehversteigerungen.“ Eine Meinung, die LK-Präsident Stadtrat Josef Moosbrugger (ÖVP) nicht teilt: „Das Grundstück bleibt ja erhalten, außerdem finden dort regelmäßig Veranstaltungen statt.“ Derzeit werden dort Christbäume verkauft.

„Wenig Erfolg“

Der Versuch der Stadt, gemeinsam mit der Vogewosi und der Eigentümervereinigung Besitzer leerstehender Wohnungen zu bewegen, diese zu vermieten, brachte nicht das erhoffte Ergebnis, stellt Schönbeck mit Bedauern fest: „Leider hatten wir mit dem Modell der Mobilisierung leerstehender Wohnungen trotz größter Anstrengungen wenig Erfolg.“