„Drohten, mich umzubringen“

Vorarlberg / 19.12.2016 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Viehhändler ließen ihre Wut mit Faustschlägen an Tierschützer Tobias Giesinger (32) aus.

Dornbirn. Am Montag gegen 3 Uhr heftete sich der Oberländer Aktivist des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) in Lustenau an die Fersen dreier Kleintransporter von Vorarlberger Viehhändlern. Denn Giesinger waren die Praktiken bei den Verladevorgängen von Schweinetransporten schon immer tierisch seltsam vorgekommen. Motiv für seine jüngste Beobachtung war, weitere Informationen darüber zu sammeln und aufzuarbeiten.

Situation eskalierte

Nachdem sich die Fahrzeuge in Richtung Dornbirn in Bewegung gesetzt hatten, verfolgte sie Giesinger mit seinem Pkw bis zum dortigen Viehmarktplatz, wo er schließlich einen großen Transporter erspähte.

Nun sollten sich die Ereignisse überschlagen: Der 32-jährige Tierschützer wollte sich wieder zurück zu seinem Wagen begeben, als er die beiden Viehhändler und eine Frau seinen Namen rufen hörte. „Sie liefen auf mich zu. Ich geriet in Panik und rannte weg. Die Männer haben die ganze Zeit gebrüllt und einer rief, dass er mich fertigmachen würde“, so Giesinger zu den VN.

Einer der Verfolger habe ihn dann zu Boden gestoßen. „Dann standen beide über mir, fixierten mich am Boden und schlugen mit Fäusten auf mich ein. Ich musste mir die Hände vor das Gesicht halten. Am Schluss standen sie über mir und drohten, dass sie mich jetzt umbringen und mir das Genick brechen würden. Die Frau, die die ganze Zeit daneben stand, sagte dann, dass sie die Polizei gerufen habe. Aber sie meinte auch noch, dass ich beobachtet werden würde“, so der Tierschützer weiter. Man habe ihn zudem lange an seinen Haaren gerissen, ehe die Männer dann von ihm abließen und verschwanden.

Mobiltelefon entrissen

Vorher aber nahmen sie Giesinger das Mobiltelefon und steckten es ein. Das Opfer selbst begab sich anschließend sofort zur Polizeiinspektion Dornbirn, um das Vorgefallene anzuzeigen. Er ist sich sicher, die Identität der Täter zu kennen.

Einer der beschuldigten Metzger verwies gegenüber VOL.AT auf seine noch ausstehende Aussage vor der Polizei. „Wenn ich ihn jedoch geschlagen hätte, wäre er nicht mehr auf den Beinen, sondern läge – mit etwas Glück – im Krankenhaus“, lässt er sich zitieren. Der ebenfalls beschuldigte Transporteur will sich vorerst nicht äußern, aufgrund Bedenken gegenüber der Darstellung in der Berichterstattung.

Polizeiliche Anzeige

Wie die Landespolizeidirektion offiziell mitteilte, wird gegen die beiden Tatverdächtigen im Alter von 47 und 59 Jahren Anzeige an die Staatsanwaltschaft Feldkirch erstattet.

David Richter vom VgT Österreich dazu: „Tobias hat mich gleich nach dem Vorfall mit einem Ersatztelefon verzweifelt angerufen und mir geschildert, was passiert ist. Wir lassen uns durch niemanden einschüchtern und werden unsere Arbeit fortsetzen. Tierschutz ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Wenn Konsument(inn)en getäuscht werden, dann entzieht man ihnen die Möglichkeit, die richtige Wahl zu treffen. Das ist Betrug.Wir fordern entschlossener denn je die Regierung auf, die Kennzeichnungspflicht nach Haltungsart endlich umzusetzen.“

Schauplatz der nächtlichen Attacke auf Tobias Giesinger: der Viehmarktplatz in Dornbirn. VN/Steurer, Sohm
Schauplatz der nächtlichen Attacke auf Tobias Giesinger: der Viehmarktplatz in Dornbirn. VN/Steurer, Sohm